Sonnek

Frage

„Mein Name ist …, ich bin von … als Sachverständiger bestellt worden in der Angelegenheit … und würde Ihnen dazu gerne ein paar Fragen stellen. Wäre das jetzt möglich? Dauert nur ein paar Minuten …“ Freundliches Lächeln auf beiden Seiten. Kurzes Zögern und dann zustimmendes Nicken beim Gegenüber. – Im Gerichtsverfahren sind Einvernahmen und Befragungen etwa von Zeugen grundsätzlich Sache des Gerichts, der Sachverständige kann lediglich im Rahmen des Verfahrens Fragen stellen. Anders läuft es beim Privatgutachter: Der muss versuchen, auf eigene Faust Antworten auf seine Fragen zu bekommen.

Was nicht immer einfach ist, wie jeder Praktiker weiß. Zwar wird der Auftraggeber in den meisten Fällen angeben, wer als Auskunftsperson dienen kann, weil er eigene Wahrnehmungen von Ereignissen oder Vorfällen in Bezug auf den Gutachtensauftrag hat. Aber damit ist noch lange nicht gesagt, dass jede dieser Personen zweckdienliche Angaben machen kann oder will. Es ist zudem die oft mühsame Aufgabe des Sachverständigen, die Erkenntnisse daraus – deren Brauchbarkeit die ganze Skala von wertvoll bis dürftig erreichen kann – zu ordnen und zu gewichten.

Viele Unwägbarkeiten

Dazu kommt noch, dass für Interviews sehr oft wenig Zeit zur Verfügung steht und ein zweiter Anlauf für eine nochmalige Auskunft aus Zeit- oder Ortsgründen oft nicht in Frage kommt. Außerdem sind die zu Befragenden häufig nicht auf eine rasche und vollständige Antwort vorbereitet. Angesichts dieser personenbedingten und organisatorischen Hürden und Unwägbarkeiten stellt sich die Frage: Wie geht man am besten vor, wenn man aus einer Befragung im Sinn der Sache höchstmöglichen Nutzen ziehen will? Dazu seien im Folgenden einige Überlegungen angestellt.

Gründliche Vorbereitung

Von der inhaltlichen Festlegung bis zur ordnungsgemäßen Protokollierung muss die Angelegenheit sorgfältig und umsichtig geplant sein. Denn mit dem Inhalt der Fragen allein ist es noch nicht getan: Wem sind welche Fragen zu stellen, wem welche nicht? Werden die Fragen für den Adressaten auf Anhieb verständlich sein, ist ihm der [IS1] Zusammenhang klar? In welcher Reihenfolge werden mehrere Personen befragt, alle gemeinsam der Reihe nach oder getrennt? Finden die Termine an dem Ort statt, der mit den Fragen zu tun hat? Wird stichwortartig protokolliert oder mittels Tonaufzeichnung?

Geschützter Rahmen

Nicht jeder Befragte kann in jedem Rahmen ruhig überlegen und gezielt antworten. Wenn in den zumeist wenigen Minuten des Kontakts mehrmals das Telefon läutet oder Hintergrund- oder Straßenlärm eine Unterhaltung erschweren, wird man in der Informationsgewinnung nicht sehr ergiebig sein. Auch der Ort zwischen Tür und Angel und ungeschützt vor anderen Ohren ist nicht unbedingt der richtige Ort für ein Gespräch, was nahelegt, entweder einen eigenen Raum dafür zu reservieren mit dem Nachteil einer Atmosphäre wie in einer Arztordination oder aber den Partner in seiner gewohnten Umgebung zu besuchen.

Offene Kommunikation

Damit ist gemeint, dass zu Beginn des Gespräches und nach einer persönlichen Vorstellung klargemacht werden muss, worum es im Gespräch inhaltlich geht und ist und was mit der Antwort geschehen soll. Es wird für das nachfolgende Frage-Antwort-Spiel sehr vorteilhaft sein, wenn man dieser Erläuterung ausreichend Zeit schenkt. Auch ist zu vermitteln, warum gerade diese erwarteten Antworten wichtig sind. Keinesfalls ist Geheimniskrämerei am Platz, heimliche Investigationen sind vielleicht Sache der Kriminalpolizei, aber keinesfalls Angelegenheit von Sachverständigen.

Emotionale Kompetenz

Klingt einfach, ist es aber nicht immer: Wir brauchen eine spannungsfreie Gesprächsatmosphäre in persönlicher Hinsicht und wir achten auf Wertschätzung. Die goldene Regel weist uns darauf hin, dass wir dann am effizientesten sind im Umgang mit anderen Menschen, wenn wir sie so behandeln, wie wir selber gerne behandelt werden möchten. Sympathie und Freundlichkeit und manchmal eine kleine Portion Humor wirken auflockernd und bauen rasch Hürden ab. Gerade Sachverständige als fachliche Autoritätspersonen müssen darauf achten, nicht als „von oben herab“ wahrgenommen zu werden.

Anmerkungen zum Thema? Über hre Antwort an gmbh@sonnek.at würde ich mich freuen!


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