Sonnek

Der Tanz ums CO2

10.07.2026
Energie

(IRS) – Nach vielen Jahren Wüstenwanderung wurde den Israeliten die Zeit zu lang, die sein Anführer Moses auf dem Berg Horeb verbrachte, um für sein Volk das Gesetz zu empfangen. Statt auf das Gottgegebene zu warten, entschied sich das Volk währenddessen für Menschgemachtes: Die Wartenden bauten sich ein goldenes Kalb, um das sie ausgelassen tanzten. Wie die Bibel weiter berichtet, ging dieses Vorhaben nicht gut aus. – Wenn wir uns in der  Gegenwart umsehen, können wir eine andere Art Tanz beobachten, und zwar den um das atmosphärische Spurengas CO2. Der Ausgang dieses Tanzes ist noch offen.

Bedeutungswandel

Wir dürfen davon ausgehen, dass dieses CO2, das mit 0,042 Volums-Prozent in unserer Atmosphäre vertreten ist, in der öffentlichen Wahrnehmung seine frühere Bedeutung völlig verloren hat. Insbesondere für den Konsumenten üblicher Massenmedien dürfte sich infolge entsprechender Botschaften der Charakter des Begriffs „CO2“ im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte von „lebensnotwendig“ auf „lebensbedrohlich“ umgedreht haben. Für große Teile der Wissenschaft insbesondere um den „Weltklimarat“ der UNO, den IPCC, ist der dominante Einfluss von CO2 auf das Klimageschehen festgeschrieben, werden ihm doch die Phänomene Erderwärmung oder Klimawandel angelastet. (Die Österreichische Energieagentur sieht diese Bezeichnungen gar als Verniedlichung und empfiehlt in ihrem „Energie-Handbuch“ stattdessen Bezeichnungen wie „Erderhitzung“ beziehungsweise „Klimakrise“ oder „Klimakatastrophe“.)

Abweichende Meinungen werden nicht akzeptiert

Gegenstimmen prominenter Wissenschaftler, die sich nicht mit der alleinigen „Täterrolle“ des CO2 zufriedengeben und auf die Komplexität der Einflüsse hinweisen, die für die Entstehung des Klimas bedeutsam sind, werden von den Massenmedien ignoriert. Wissenschaftler mit abweichender Meinung – wie etwa die US-amerikanische Universitätsprofessorin Dr. Judith Curry – verloren ihre Arbeit. Aus meiner Erfahrung in Gesprächen kann ich berichten, dass selbst hochgeschätzte, an sich kritisch denkende Berufskollegen kritische Standpunkte ablehnen und lieber dem üblichen CO2-Narrativ folgen. Jemand,  der sich unabhängig informiert hat und gut begründete andere oder gar gegensätzliche Argumente in Diskussion bringen will, muss nach wie vor damit rechnen, als „Klima-(wandel-)Leugner“ diffamiert oder in seiner Integrität angezweifelt zu werden. Sachliche Diskussionen sind derzeit kaum möglich.

CO2 liefert reichlich Grund zu Aktion

Für die internationale und nationale Politik hat die CO2-Fixierung viele Vorteile. CO2 wird vom „Lebensgas“ zum „Klimagas“. Vor allem lässt es sich messen, und damit können staatliche Institutionen alles beurteilen, regulieren, steuern und besteuern, was auf irgendeine Weise CO2 emittiert, von technischen Prozessen bis hin zu jeglichen lebenden Organismen. Im Gegensatz dazu wird alles, was Energie liefert, kein CO2 emittiert und einigermaßen für menschliche Bedürfnisse nützlich erscheint, gefördert. Auch die Finanzwelt freut sich: Emissionsrechte lassen sich in barer Münze handeln. Und die Medien sind natürlich auch mit dabei, liefern die Themen rund ums CO2 doch immer wieder reichlichen Lesestoff. Wie sehr das der Fall ist? Nachstehend habe ich aus der auflagenstärksten Zeitung unserer Region, der „Kleinen Zeitung“, drei Artikel zum Thema herausgegriffen, die in diesem Jahr erschienen sind, daraus zitiert und ein paar Bemerkungen angefügt. Die Titel sind fett, die Zitate kursiv wiedergegeben. Sämtliche Artikel wurden von Günter Pilch verfasst, dem Redakteur für das Bundesland Steiermark und zuständig für den Themenbereich Umwelt.

Artikel vom 7. Juli 2026:

CO₂-Ausstoß ging zurück, doch für steirisches Klimaziel sieht es düster aus - Neuer Klimabericht zeigt: Die Treibhausgasemissionen in der Steiermark sind 2024 gesunken – doch das Tempo reicht für die verpflichtenden Ziele bis 2030 nicht aus.“

„Für Klimaziel müsste der CO₂-Ausstoß dramatisch weitersinken.“

„48 Prozent weniger Treibhausgas als 2005 darf die Steiermark (wie auch Österreich insgesamt) 2030 noch verursachen. Für dieses Ziel steht Wien in Brüssel gerade.“

„58 Prozent des steirischen Treibhausgasausstoßes sind für das Klimaziel unmittelbar relevant, der Rest wird separat über den europäischen Emissionsrechtehandel abgerechnet.“

„Segeln die Steiermark und Österreich tatsächlich am Klimaziel vorbei, könnten die Kosten in die Milliarden gehen. EU-Mitgliedsstaaten sind im Falle eines Scheiterns verpflichtet, die entsprechenden Mengen an Emissionszertifikaten nachzukaufen. Der Bund hat mehrfach angekündigt, die Länder in diesem Fall an den Kosten zu beteiligen.“

Die Messung oder Schätzung von CO2-Emissionen machen derartige Knebelungen möglich: Für den Leser entsteht der Eindruck, dass wir erstens einem unausweichlichen „Klimadiktat“ unterworfen sind, gegen das man sich nicht wehren kann, dass wir zweitens aus Eigenverschulden oder wegen der Unfähigkeit, genug Energie einzusparen, strenge Bestrafung befürchten müssen, und dass uns drittens dieses Versäumnis sehr teuer zu stehen kommen wird.

Artikel vom 2. April 2026:

„Steirer verbrauchten weniger Öl und Gas, kräftiges Plus bei Erneuerbaren - Weniger Verbrauch, erstmals 40 Prozent Erneuerbare: Steirischer Energiebericht zeigt für 2024 erfreulichen Trend. Doch nur ein Teil davon geht auf das Konto aktiver Maßnahmen.“

„Erdöl- und Erdgasverbrauch im Land jeweils ein Minus von 4,8 bzw. 2,4 Prozent“

„Erstmals liegt der Erneuerbaren-Anteil am steirischen Energieverbrauch damit knapp oberhalb der Marke von 40 Prozent.“

„Verbrauch nach Wirtschaftssektoren: Produzierender Bereich: 38,5%, Verkehr: 27,5%, Privathaushalte: 25,4%, Dienstleistungen: 6,6%, Landwirtschaft: 2,6%.“

„Verbrauch nach Energieträgern (energetischer Endverbrauch): Öl: 29,5%, Biomasse: 22,3%, elektrische Energie: 21,5%, Erdgas: 15,7%, Fernwärme: 5,8%, Umgebungswärme (Wärmepumpen, Anm.): 2,4%, Kohle: 2,0%, Brennbare Abfälle: 0,9%.“

Gedanken dazu: Energie- und damit CO2-Einsparungen durch einen milden Winter! – Der Anteil an erneuerbarer Energie ist nicht gratis zustande gekommen, sondern hat ansehnliche  Förderungen benötigt! – Im produzierenden Gewerbe ließe sich am meisten einsparen, doch  hoffentlich geschieht das nicht von selbst durch mancherorts drohende Deindustrialisierung (z. B. bei Autozulieferern)!

Artikel vom 10.02.2026:

„Grüne Lunge am Kippen – CO₂-Ausstoß des heimischen Waldes befeuert Zwist ums Heizen mit Holz – Österreichs Wälder stoßen inzwischen mehr Treibhausgas aus, als sie neu binden. Für Forscher ein Alarmsignal. Wie viel Holznutzung verträgt die grüne Lunge der Republik noch?“

„Rund 62 Prozent der steirischen Landesfläche sind mit Wald bedeckt, in Summe nehmen Österreichs Wälder fast die Hälfte des gesamten Bundesgebiets ein. Ein Umstand, auf den hierzulande häufig mit Stolz verwiesen wird, der aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass es in den Forsten knirscht. Der Wald ist ins Kippen geraten und dabei, seine traditionelle Funktion als CO2-Senke dauerhaft zu verlieren.“

„Über das vergangene Jahrzehnt hat sich die Senkenwirkung des Waldes rasant verringert, 2018 kehrte sich der Saldo erstmals um: Die heimischen Wälder sind von einer CO2-Senke zu einer Emissionsquelle geworden.“

„Als Hauptursache für die Malaise macht UBA-Klimaexperte Günther Lichtblau die bereits eintretenden Folgen des Klimawandels fest.“

„Werden die heimischen Wälder also stärker genutzt, als sie es noch vertragen? ‚Es ist zumindest nicht sehr sinnvoll, die Biomasseverbrennung noch weiter zu steigern‘, sagt Georg Gratzer, stellvertretender Leiter des Instituts für Waldökologie an der Wiener Universität für Bodenkultur (Boku).“

„Ähnlich argumentiert Helmut Haberl vom Boku-Institut für Soziale Ökologie. ‚Wenn wir die Holzverbrennung weiter erhöhen und durch Holzernte aus dem Inland abdecken, wird der Wald noch weiter in Richtung CO2-Quelle kippen.‘ Und auch gesteigerte Holzimporte sieht der Forscher nicht als Lösung. ‚Schon heute stammt ein erheblicher Anteil des in Österreich verwerteten Holzes aus dem Ausland. Und da stellt sich natürlich die Frage, wie es dann um die Bilanz der dortigen Wälder aussieht‘, sagt Haberl.“ ‚Die Folge könnten für Österreich verpflichtende, millionenteure Nachkäufe von Zertifikaten aus Staaten sein, die ihre Ziele übererfüllen.‘ Doch noch ist offen, ob es tatsächlich so weit kommt. ‚Auf europäischer Ebene laufen derzeit Diskussionen über eine allgemeine Anpassung der Ziele, weil auch andere Länder mit dem Wald ähnliche Probleme wie Österreich haben‘, sagt Günther Lichtblau vom Umweltbundesamt. Als die Ziele vor Jahren vereinbart wurden, hatte offenbar niemand damit gerechnet, dass die Folgen des Klimawandels die Wälder so rasch in ihrer Substanz treffen würden.“

Kommentar dazu: Den Waldspaziergang lasse ich mir jedenfalls nicht vermiesen, egal, was und wieviel davon der Wald emittiert. – Der Wald war übrigens in der Vergangenheit nie eine Lunge, das ist ein völlig falsches Bild, denn eine Lunge saugt sauerstoffreiche Luft an und stößt kohlendioxidreiche Luft aus. Seit Neuestem aber funktioniert der Wald offenbar wirklich wie eine Lunge. – Biomasse-Heizanlagen (insbesondere Pelletsheizungen) hat man als Ersatz für Öl und Gas gezielt propagiert und gefördert. Dabei wird bei Verbrennung von Holz (also auch Pellets) pro Kilowattstunde Heizenergie deutlich mehr CO2 freigesetzt als bei Verbrennung von Öl oder Gas. Bei Emissionsberechnungen wird für Holz trotzdem so gerechnet, als würde seine Verbrennung (fast) kein CO2 verursachen …

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