Sonnek

Pfeil

(IRS) – Einige Zeit habe ich im Rahmen eines privaten Sachverständigen-Verbunds Gutachten zu Gebäudetechnik- und Maschinenbau-Schäden erstellt – fast ausschließlich im Auftrag von Versicherungen. Klassische Gutachterarbeit eben. Ich habe sehr, sehr viel gesehen … und noch mehr gelernt. Der Haken an der Sache? Die Honorare bewegten sich irgendwo zwischen „Taschengeld“ und „symbolischer Anerkennung“. Wer mit dem Slogan „Qualität ist Ehrensache“ unterwegs ist, bekommt irgendwann die freundliche Ansage zu hören: „Dein Qualitätsanspruch ist wirklich nett – aber jetzt mal ehrlich: Hier geht’s in erster Linie darum, billig zu sein.“

Neues Spielfeld gesucht

Nach zwei, drei Jahren wurde klar: Mit der von mir gelebten Sorgfalt und dem dafür nötigen Aufwand lässt sich auf diesem „Billig-Gutachten-Karussell“ einfach kein vernünftiges Einkommen mehr erzielen. Der in Summe hohe zeitliche Aufwand für die vielen kleinen Aufträge steht in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Ertrag. Auch die Freude an der Arbeit geht verloren, wenn man Herzblut hineinsteckt und der karge Lohn als das Gegenteil von Anerkennung empfunden wird. Kurz gesagt: Meine Arbeitsweise ist zu schade für den Dumping-Wettbewerb. Sie gehört auf ein Spielfeld, auf dem Qualität nicht nur nett kommentiert, sondern auch bezahlt wird.

„Besser sein“ reicht nicht

Billig sein heißt noch dazu fast immer: Austauschbar sein, einer Menge an Mitbewerbern gegenüberstehen, im selben Pool von fachlich wenig fordernden Aufträgen fischen. Das Gegenteil heißt schlicht und einfach: Unverwechselbar werden. Erinnern wir uns an Thiels Weisheit: Monopole entstehen nicht durch “besser sein”, sondern durch “einzigartig sein”. Für einen Sachverständigen bedeutet das, sich nicht zufrieden zu geben mit „zertifiziert sein“ oder „Erfahrung haben“. Stattdessen kann er beginnen, ein kreatives Monopol aufzubauen, indem er ein Problem löst, das andere ignorieren oder nur halbherzig angehen.

Der Sachverständige als kreativer Monopolist

Nachstehend sind ein paar konkrete Wege aufgezeichnet, wie für einen Sachverständigen – insbesondere einen für ein technisches Fachgebiet – der Weg zum eigenen kreativen Monopol aussehen könnte. Das soll jetzt möglichst praxisnah bleiben, aber (etwas übersteigert) aufgefrischt mit einem ordentlichen Schuss Fantasie! Viel Fantasie braucht man auf jeden Fall! Denn Möglichkeiten gibt es genug, vorausgesetzt, wir verlassen unser Denken in eingefahrenen Kategorien. Ziel muss sein: Den Kunden und Klienten auf besondere und erstklassige Weise zu dienen, damit jeglichen Mitbewerber zu überflügeln und ganz nebenbei Preissetzungsmacht zu gewinnen. Also, hier einige Beispiele für Sachverständige aus technischen Fachbereichen, ausgehend von meinem Gebiet Gebäude- und Energietechnik:

1. Das Fach-Monopol: Spezialisierung auf eine besondere Branche oder Technik

  • Idee: Werde der Go-to-Experte für etwas sehr Spezielles, das komplex ist und das steigende Nachfrage hat, aber die Anbieter rar sind. Nicht “Gebäude- oder Energietechnik-Gutachten”, sondern “Gutachten zur KI-gestützten Ermittlung technisch-wirtschaftlichen Mängel in Fernwärmeanlagen mit dezentraler Einspeisung und weitverzweigten Netzen“.
  • Warum Monopol? Die meisten Sachverständigen sind Generalisten – sie decken ein breites Fachgebiet ab, aber das nur bis zu einer bestimmten Tiefe. Im Gegensatz dazu kann man sich ein fachliches Monopol in einer engen Nische bauen, wo man durch tiefe und nachgewiesene Expertise der Einzige ist, der komplizierte Probleme rasch durchschaut und erfolgversprechende Vorgangsweisen zur Lösung anzubieten hat.
  • Humorvoller Tipp: Präsentationen der eigenen Kompetenz können an ungewöhnlichen Orten stattfinden, aufgelockert mit kabarettistischen oder dramatischen Elementen in Zusammenarbeit mit Profis.
  • Wie umsetzen? Der Weg geht aus von tiefen eigenen Interessen, baut auf Erwerb außergewöhnlichen Wissens sowie besonderer Erfahrung und hat eine klar umrissene Zielgruppe im Auge. Die Bekanntheit steigt durch Beiträge in Fachpublikationen, durch Präsentation von Fallstudien und durch Netzwerken bei Branchenveranstaltungen.

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2. Das Prozess-Monopol: Schnelligkeit plus Präzision durch Team und Talent

  • Idee: Integriere Tools, die andere nicht nutzen – z.B. KI-gestützte Analysen (wie Simulationssoftware oder Datenvisualisierungen mit CAD-Integration), um Gutachten in Rekordzeit zu liefern, ohne Qualitätseinbußen.
  • Warum Monopol? Technische Gutachten dauern oft Wochen, hier werden sie in Tagen geliefert, mit interaktiven 3D-Modellen oder VR-Simulationen als Bonus. Dein Monopol basiert auf “Höchste Qualität + Turbo-Turnaround”. Für Kunden in Zeitdruck (z.B. bei Gerichtsfristen oder Produktionsausfällen) ist man der Einzige, der beides liefert: hieb- und stichfeste Argumentation und Geschwindigkeit.
  • Humorvoller Tipp: „Hochgeschwindigkeits-Gutachter“ mit überragender Präzision. Und natürlich: Gewonnene Zeit kann viel wert sein!
  • Wie umsetzen? Investition in Software für Simulationen oder spezialisierte KI-Tools für Fehleranalyse. Präsentation von Beispielprozessen. Echter “Vorsprung durch Technik”. Äußerst komplexe Fälle in Echtzeit lösen.

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3. Das Reputations-Monopol: Kombination aus Fachwissen und Storytelling

  • Idee: Deine Gutachten oder Beratungsberichte sind nicht nur technisch top, sondern auch erzählerisch überzeugend – mit klaren Empfehlungen, Risikoanalysen und Kosten-Nutzen-Berechnungen, die Gerichte oder Unternehmensvorstände überzeugen.
  • Warum Monopol? Viele Gutachter produzieren zwar “Qualität”, aber wenige machen daraus eine “Geschichte”, die ein Laie versteht. “Verständliche Höchstqualität” für Branchen, in denen Technik und Recht zusammen eine Rolle spielen (z.B. Geothermienutzung). “Gerichtssichere Stories plus Ingenieurgenauigkeit”.
  • Humorvoller Tipp: Selbstbild als “Technik-Bestseller-Autor”. Höchste Qualität allein reicht nicht; sie muss verkauft werden.
  • Wie umsetzen? Anonymisierte Erfahrungsberichte als gute Geschichten erzählt. Aufbau einer persönlichen Marke.

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Wie das funktionieren kann und wie man startet

Unterscheidung also durch Fach, Prozess oder Reputation! Das alles mag vielleicht jetzt wenig praxisnah aussehen. Aber: In allen Fällen geht’s um die Thiel-Formel, also die Wahl einer engen und genau umrissenen Zielgruppe, gepaart mit tiefem Problemverständnis, einer einzigartigen Lösung und – last but not least – um Mut zum Premium-Preis. Sachverständige haben einen Vorteil – dein Markt ist bis zu einem gewissen Grad reguliert, erlaubt aber jederzeit Differenzierung durch Innovation. Natürlich besteht das Risiko, dass die Nische sehr eng wird und damit der Markt sehr klein. Jedoch: Klein und profitabel schlägt groß und arm.

Erster möglicher Schritt: Analyse der letzten 10 bis 20 Aufträge. Gibt es ein Problem, das immer wieder auftaucht? Gibt es einen Status quo, mit welchem potenzielle Auftraggeber am unglücklichsten mit? Lässt sich in irgendeine Richtung ein Monopol aufbauen? Man bedenke: Höchste Qualität ist toll, aber ohne Monopol ist sie nur ein teures Hobby.

(Wird fortgesetzt)

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