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	<title>Sonnek &#187; Erfolg</title>
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	<description>Blog von Ingo Sonnek</description>
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		<title>Was macht die Tätigkeit als Sachverständiger attraktiv?</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 07:18:15 +0000</pubDate>
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(IRS) – Im Lauf der Berufsjahre bin ich immer wieder Menschen begegnet, die für den Nebenberuf als allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige nicht nur gut, sondern bestens geeignet gewesen wären. Aufgrund meines Umgangs und Wirkens spreche ich hier in erster Linie von Personen aus technischen Berufen, sowohl selbständig als auch unselbständig tätig. Diese Leute [...]]]></description>
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<p>(IRS) – Im Lauf der Berufsjahre bin ich immer wieder Menschen begegnet, die für den Nebenberuf als allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige nicht nur gut, sondern bestens geeignet gewesen wären. Aufgrund meines Umgangs und Wirkens spreche ich hier in erster Linie von Personen aus technischen Berufen, sowohl selbständig als auch unselbständig tätig. Diese Leute waren keine Gerichtssachverständigen und sind es auch später nicht geworden. Das ist nicht nur schade für das Rechtswesen unseres Landes, das auf das kundige Mitwirken von Fachleuten in Gerichtserfahren angewiesen ist.</p>
<p><span id="more-11564"></span><strong>Gibt es zu wenig persönliches Interesse?</strong></p>
<p>Es ist auch schade für die erwähnten Personen, die damit auf den vielfältigen Nutzen einer Laufbahn als Gerichtssachverständiger verzichtet haben. – Erhebt sich die Frage: Warum tun recht wenige diesen Schritt? Das Thema ist für diesen Blog nichts Neues. Aus der Sicht möglicher Kandidaten kommen verständliche Ursachen in Betracht: Gute und beruflich engagierte Leute leiden unter überbordender Arbeitsbelastung, Familienleben oder das Verfolgen einer „Work-Life-Balance“ haben Priorität, über Sachverständigenwesen besteht völlige Unkenntnis, oder – was tragisch wäre – an persönlicher Weiterentwicklung besteht weitgehendes Desinteresse. Vor allem fehlt: Die Kenntnis des Nutzens einer Tätigkeit als Sachverständiger.</p>
<p><strong>Fehlt es an praktischen Informationen?</strong></p>
<p>Zumindest für mir bekannte Technikerkreise – und nur über die kann ich sprechen – gab es während des Hochschulstudiums keine Information über das Sachverständigenwesen, auch unter dem Lehrpersonal gab sich niemand als Sachverständiger zu erkennen. Erst im Vorbereitungskurs für die Ziviltechniker-Prüfung kam das Thema zur Sprache, aber wenn ich mich recht erinnere, ging es diesfalls fast ausschließlich um die Aufgaben von Amtssachverständigen, an denen die Vortragenden aus dem Dunstkreis der Landesregierung bestimmtes Interesse hatten. Aber an gezielte Informationen von dafür Zuständigen, wie etwa von Sachverständigenverbänden, kann ich mich nicht erinnern. Es fehlten somit praktische Informationen über den Nutzen einer Tätigkeit als Sachverständiger.</p>
<p><strong>Zur Erinnerung: Mein Weg zum Sachverständigen</strong></p>
<p>Persönlich bin ich – wie schon andernorts in diesem Blog geschildert – in den Gerichtssachverständigen eher „hineingestolpert“: Eines meiner ersten Privatgutachten wurde von einem Gerichtssachverständigen ohne Änderungen als Grundlage für einen Gerichtsprozess übernommen mit der Bemerkung, er könne es auch nicht besser machen. Nach dem Vorbereitungskurs und der Ablegung der Zulassungsprüfung hat es dann noch zwei, drei Jahre gedauert, aber dann war ich, wie man so sagt, „im Geschäft“, der Auftragsumfang wuchs kontinuierlich und die Arbeit machte mir viel Freude, trotz mancher Mühsale, die mit Gutachtensaufträgen nun einmal verbunden sein können. Aber meine Motivation zu Beginn waren Neugierde und der Wunsch, es zu probieren. Der volle Nutzen der Tätigkeit als Sachverständiger erschloss sich erst später.</p>
<p><strong>Ein wichtiger Unterschied zwischen Planungstätigkeit …</strong></p>
<p>Auch hier muss ich mit persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen – wiederum aus Technikersicht – beginnen. Zuallererst sei auf einen und wenn nicht <em>den</em> wesentlichen Unterschied zu meiner parallelen Berufstätigkeit als Planer und Berater hingewiesen. Planen in der Haus- und Energietechnik heißt Probleme lösen, und zwar in erster Linie technische Probleme. Das bedeutet: Die Arbeit beginnt mit einer Aufgabenstellung, führt durch eine mehrstufige, kreative Phase und endet mit einer Darstellung der gelösten Aufgabe in Form von Plänen, Beschreibungen und Präsentationen. Im Endeffekt steht mit Ende des Projekts technisch gesehen etwas völlig Neues da, ein Konstrukt, ein Gedankengebäude, das es zuvor noch nicht gegeben hat. Noch etwas: Das Ergebnis entstammte sehr oft einem Team, die Verantwortung dafür lag in den meisten Fällen beim dahinterstehenden Unternehmen.</p>
<p><strong>… und Gutachterwesen</strong></p>
<p>Zum Unterschied davon bekommt der (technische) Sachverständige etwas Bestehendes vorgegeben: Eine Anlage, einen Schadensverlauf, einen Tatbestand, ein Ereignis, einen Gegenstand etc. Er soll nichts Neues erfinden, sondern sich im Auftrag eines Gerichts oder auch eines Privaten intensiv mit vorliegenden Gegebenheiten, Anlagen, Gegenständen etc. auseinandersetzen und die ihm gestellten Fragen beantworten, also seine Aufgabenstellung erfüllen. Er geht vielleicht sogar durch kreative Phasen, aber diese beziehen sich auf das Vorgegebene, Vorliegende. Er schafft – zumindest materiell gesehen – nichts Neues. Und seine Lösung stellt er in Form eines zumeist schriftlichen Gutachtens dar, das er später erläutern und vielleicht sogar verteidigen muss. Die Arbeit ist im Regelfall Werk eines Einzelnen, der auch die persönliche Verantwortung dafür übernehmen muss. – Aber jetzt ist es wirklich an der Zeit, über den mehrfachen Nutzen der Tätigkeit als Sachverständiger zu sprechen.</p>
<p><strong>Erster Nutzen: Auswirkungen auf die Persönlichkeit</strong></p>
<p>Genau diese vorhin beschriebene Verantwortung für seine Arbeit ist es auch, die sich auf die Persönlichkeit des Sachverständigen äußerst positiv auswirkt, indem sie diese festigt und ihr dadurch Autorität verleiht und stärkt. Die stets gegenwärtige Forderung nach Genauigkeit, Sorgfalt, Umsicht, Unparteilichkeit, Objektivität, Verschwiegenheit etc. führt in Konsequenz dazu, dass jede Äußerung wohlüberlegt sein will, falsche Wortwahl unbedingt zu vermeiden ist, zu wenig begründete Wertungen deplatziert sein können und Schlussfolgerungen nicht nur technisch, sondern auch in rechtlicher Sicht hieb- und stichfest sein müssen. Selbst einem jungen Sachverständigen ist sehr schnell bewusst, dass Verstöße gegen gute Praktiken durchaus vor dem Richter enden können, mit dem Unterschied, dass er dann selbst Angeklagter sein kann.</p>
<p><strong>Zweiter Nutzen: Schule für den Umgang mit Menschen</strong></p>
<p>Gutachtensaufträge bringen es mit sich, dass sich unterschiedlichste Charaktere begegnen und verständigen müssen. Dass sich dabei das Wesen einfacher und nicht ganz einfacher Zeitgenossen offenbaren kann, gehört dazu. Gewiefte Sachverständige sind nicht darauf angewiesen, ihr Ego auszuspielen, wozu sich Neulinge vielleicht gedrängt fühlen könnten. Alte Hasen nehmen sich selbst nicht wichtig, ihre Autorität erwächst ohne besonderes Zutun aus ihrem unaufgeregten, aber kompetentem Arbeitsstil. Empathie (Verständnis) ist gefordert, aber Sympathie (Zuneigung) strikt verboten, Provokationen oder Machtspiele – egal von welcher Seite sie kommen – sind zu ignorieren. Regelmäßige Sachverständigentätigkeit festigt soziale Kompetenz.</p>
<p><strong>Dritter Nutzen: Fachliche und persönliche Autorität führt zu Ansehen </strong></p>
<p>Sachverständige können nicht nur  persönlichen Respekt erlangen durch ihre Arbeit, sondern ein solcher gebührt ihnen ebenso aufgrund der Autorität, die ihnen vom Gericht zur Erledigung ihrer Tätigkeit übertragen worden ist. Gerichtssachverständige genießen daher nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der Öffentlichkeit ein nicht zu geringes Ansehen, was auch einer Form von Anerkennung entspricht. Dies zurecht, schließlich muss ein aktiver Gerichtssachverständiger überdurchschnittliche Fachkenntnisse besitzen und solche einem Prüfungs-Komitee auch nachgewiesen haben, was ihn automatisch zu einer interessanten und geschätzten Auskunftsperson machen kann. Fazit: Ansehen durch gelebte Autorität.</p>
<p><strong>Vierter Nutzen: Dienst an Mitmenschen und an der Gesellschaft </strong></p>
<p>Meine frühere Sicht auf Gerichtsverfahren sah so aus:  Im Grunde genommen führen sie durch die anfallenden Kosten und Aufwendungen zu einem Verschleiß an Zeit und Geld, einem Verlust an Volksvermögen, das an anderer Stelle besser und vielleicht auch produktiver hätte eingesetzt werden können. Sie widerspiegeln so gesehen soziale oder wirtschaftliche „Reibungsverluste“. Diese Sicht hat wohl auch ihre Berechtigung. – Meine heutige Sicht hingegen ist etwas abgeändert: Gerichtsverfahren sind „Schmiermittel“, die die Reibungsverluste vermindern und größeren  Schaden vermindern helfen. Sachverständige sind ein Teil dieses „Schmiermittels.“ Sie vollbringen damit einen wertvollen Dienst an Betroffenen und an der Gesellschaft. Aber auch an sich selbst: Es ist eine zutiefst befriedigende Sache, gebraucht zu werden.</p>
<p><strong>Fünfter Nutzen: Leistung, die honoriert wird</strong></p>
<p>Gute Leistung wird gut honoriert, sehr gute Leistung wird sehr gut honoriert, exzellente Leistung wird exzellent honoriert. Mit zunehmender Erfahrung steigen auch Größe und Schwierigkeit von Aufgaben. Damit auch die Honorare. Aber: Nur wer von sich selbst beste Leistung fordert, kann beste Bezahlung voraussetzen. Das wiederum setzt voraus, dass ein Sachverständiger immer wieder bereit ist, sich weiterzuentwickeln und alte Grenzen (oder vermeintliche Selbstbegrenzungen) zu überschreiten. Er muss aber genauso in der Lage sein, den Wert seiner Leistung ins rechte Licht zu rücken und den Auftraggebern auch zu beweisen.</p>
<p>&#8212;</p>
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		<title>Gutachten für Versicherungen</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 10:28:21 +0000</pubDate>
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(IRS) – Für manche Sachverständige mag das Verfassen von Gutachten für Versicherungen ein interessantes und lohnendes Unterfangen sein. Oder gewesen sein, weil doch wohl ein steigender Teil von Schadensfällen, die von Versicherungsanstalten früher extern vergebenen wurden, von internen Kräften begutachtet und direkt erledigt wird. Aber es verbleibt eine Anzahl von größeren Fällen und vor allem [...]]]></description>
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<p>(IRS) – Für manche Sachverständige mag das Verfassen von Gutachten für Versicherungen ein interessantes und lohnendes Unterfangen sein. Oder gewesen sein, weil doch wohl ein steigender Teil von Schadensfällen, die von Versicherungsanstalten früher extern vergebenen wurden, von internen Kräften begutachtet und direkt erledigt wird. Aber es verbleibt eine Anzahl von größeren Fällen und vor allem von Streitfällen vor Gericht, in denen Versicherungen betroffene Parteien sind, als Arbeitsgebiet für unabhängige Sachverständige bestehen. Von Sachverständigen-Erfahrungen mit Versicherungen soll in diesem Beitrag die Rede sein.</p>
<p><span id="more-11558"></span><strong>Privatgutachten für Versicherungen &#8230;</strong></p>
<p>Verständlicherweise befassen sich Aufträge von Versicherungen an Sachverständige fast ausschließlich mit Schadensfällen, in denen an besagte Versicherungsinstitution über einen Versicherungsnehmer Ansprüche gestellt worden sind. Der Versicherungsnehmer hat den Schaden verursacht. in meinem Fall etwa ein Bauunternehmen, das bei Grabarbeiten das Kollektorfeld einer Erdwärmepumpe zerstört hat. Der Sachverständige soll nun die vorliegenden technischen Gegebenheiten aufnehmen, den Schaden aus technischer Sicht begutachten, also befunden, bewerten und schließlich die Schadenshöhe feststellen.</p>
<p><strong>&#8230; haben einen Unterschied zu Gerichtsgutachten</strong></p>
<p>In Gerichtsgutachten wird sorgsam darauf geachtet, dass ein Sachverständiger ausschließlich Sachfragen beantworten darf und keine Rechtsfragen, mit denen sich ausschließlich Gericht und Rechtsanwälte beschäftigen. Hier liegt in Gutachten für Versicherungen ein wesentlicher Unterschied vor: Der Sachverständige ist hier gefordert, darüber hinaus eine Aussage zu treffen, wer der Verursacher des Schadens ist und die Verantwortung für den Schaden trägt, also quasi den „Schuldigen“ darstellt – ein absolutes Unding in Gerichtsgutachten. Im Fall mehrerer Verursacher soll der Sachverständige einen Vorschlag unterbreiten, wie der Schaden z. B. im Fall einer „Verantwortungskette“ auf diese aufzuteilen ist oder anders gesagt, wie er ihnen zuzuordnen ist. Das Ergebnis ist dann eine prozentuelle „Quotelung“. Bei drei Verursachern kann diese etwa so aussehen: 1. Verursacher 50%, 2. Verursacher 30%, 3. Verursacher 20%.</p>
<p><strong>Konfliktpotential </strong></p>
<p>Bei der Arbeit für Versicherung ist es für den Sachverständigen von Vorteil, die zum Teil unterschiedlichen Bestrebungen der Beteiligten stets im Auge zu behalten, die im Folgenden ganz offen angesprochen werden sollen:</p>
<p>Die den Sachverständigen beauftragende Versicherung</p>
<p>-          wird als Haftende legitimes Interesse daran haben, dass der an den Geschädigten letztlich zu überweisende Geldbetrag möglichst niedrig ausfällt;</p>
<p>-          wird auch ein verständliches Interesse daran haben, dass sich das Honorar für den Sachverständigen in einem überschaubaren Rahmen bewegt;</p>
<p>-          besitzt dafür ein gewisses Druckmittel in der Form, dass sie dem Sachverständigen – zumeist wohl unausgesprochen – bei ihr gefälligem Ergebnis weitere Aufträge in Aussicht stellen könnte;</p>
<p>-          wird das vorliegende Gutachten im für sie bestmöglichen Sinne zu verwerten trachten, d. h. den Betroffenen vorlegen, es gegebenenfalls aber auch ignorieren.</p>
<p>Der von der Versicherung beauftragte Sachverständige</p>
<p>-          der das Gutachten für den konkreten Fall erstellt, wird von der Versicherung beauftragt und von dieser auch bezahlt;</p>
<p>-          steht daher unter gewissem Druck, den – vielleicht auch nur vermeintlichen – Erwartungen der Versicherung zu genügen, nämlich erstens, die von ihm festgestellte Schadenssumme und zweitens das Honorar eher gering zu halten.</p>
<p><strong>Konfliktvermeidung</strong></p>
<p>Einem allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen wird selbstverständlich bekannt und auch stets bewusst sein, dass für Gutachten bei Gericht und genauso für jegliche Privatgutachten dieselben rechtlichen, aber auch ethischen Bedingungen gelten müssen, so da sind Unabhängigkeit, Unparteilichkeit, Objektivität etc. Einem Institutionellen Auftraggeber wie einer Versicherung wird das ebenfalls bekannt sein, aber anderen Privaten, das sei hier mit erwähnt, muss das sicherheitshalber deutlich mitgeteilt werden, da sich manche Auftraggeber in der falschen Erwartung wiegen könnten, ein bezahlter Sachverständiger würde agieren wie ein guter Gehilfe oder gar wie ein Rechtsanwalt.</p>
<p><strong>Honorarfragen</strong></p>
<p>Es ist klar, dass für einfache und rasch zu erstellende Gutachten geringe Honorare bezahlt werden, allein schon deshalb, weil es hier mehr Wettbewerb geben muss als im Fall fachlich schwieriger Fälle. Für jemanden, der regelmäßig für größere Fälle herangezogen wird und gute Auftragslage hat, sind Kleinaufträge naturgemäß wenig interessant. Aus meiner Erfahrung mit größeren Fällen ist anzumerken, dass Versicherungen fast immer korrekt agiert und das geforderte Honorar auch anstandslos beglichen haben. Es ist aber auch vorgekommen, dass eine Versicherung mich zu einem Gespräch eingeladen hat. Sie suchte einen langfristigen und ständigen Partner mit so etwas wie „Loyalität“ (sprich: der Versicherung geneigt zu agieren) und mit einer Art Honorarbegrenzung nach oben. Das ich von derlei Ansinnen nur rasch flüchten konnte, ist klar.</p>
<p><strong>Integrität</strong></p>
<p>In diesem Zusammenhang ist allgemein daran zu erinnern, dass Integrität ein kostbares Gut ist. Verhalten, das gegen Strandsegeln oder gar gegen das eigene Gewissen verstößt, ist seinen Preis nie und nimmer wert. Ein Sachverständiger darf sich absolut keine Fehltritte erlauben. Es muss ihm immer gewärtig sein, dass er bei Fehlverhalten allein vor einem Richter landen kann und dafür geradestehen muss. Eine Verurteilung durch ein Gericht kann eine Existenzgrundlage vernichten. Allein schon aus dieser Überlegung heraus ist Korrektheit in allen Dingen – auch in den kleinsten – für einen Sachverständigen unerlässlich.</p>
<p><strong>Vertrauensvorschuss</strong></p>
<p>An zwei vom Schadensumfang gesehen größere Fälle kann ich mich erinnern, in denen mir Versicherungen nicht nur die Gutachtensaufträge erteilt haben, sondern im Anschluss daran auch die Verhandlungen mit den Geschädigten. Dazu wurde mir ein „Pouvoir“ in Form des Betrages für die Schadensregulierung gegeben, was von Seiten der Versicherungen, die mich durch Empfehlungen mir unbekannter Dritter gefunden hatten, einen sehr hohen Vertrauensvorschuss zeigte:</p>
<p>-          Im ersten Fall waren die technischen Verhältnisse kompliziert, der Fall länderübergreifend und der bisher angefallene Zeitaufwand zermürbend für den Schadensverursacher und die Versicherung gewesen; das Setzen eines (reduzierten) Entschädigungsbeitrages nach technischer Klärung mit Zusage sofortiger Überweisung bei umgehender Zustimmung verfehlte seine Wirkung nicht und die Sache konnte prompt erledigt werden.</p>
<p>-          Im zweiten Fall war eine Gesprächsbasis zwischen Versicherung und geschädigtem Unternehmen nicht mehr vorhanden; das Finden einer guten Gesprächsgrundlage mit dessen oberstem „Boss“ brauchte zwar Zeit, aber die ursprüngliche Forderung konnte infolge des nachvollziehbaren Gutachtensergebnisses auf ein Drittel reduziert werden.</p>
<p><strong>Der Vorteil von Netzwerken</strong></p>
<p>Genauso wie bei größeren Gerichtsfällen war auch für viele Versicherungsgutachten die Beiziehung von Fachleuten aus angrenzenden Fachgebieten erforderlich. Persönliche Netzwerke sind höchstwahrscheinlich für jeden Sachverständigen von großem Vorteil, allein schon deshalb, weil man informell rasch zur Klärung von Zuständigkeiten und kleineren Fragen oder Problemen kommt. In meinem Fall betraf das hauptsächlich die Gebiete Bauwesen mit Hoch- und Tiefbau, Elektrotechnik, Regelungstechnik, Arbeitsmedizin, Werkstofftechnik für Metall oder Kunststoff, Chemie. In einzelnen Fällen war aber aus Kapazitätsgründen auch die Beiziehung von Fachleuten aus dem eigenen Fachgebiet notwendig. Es zeigte sich oft, dass das Aufrechterhalten einer guten Gesprächsbasis mit Mitbewerbern eine gute Sache ist.</p>
<p>&#8212;</p>
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		<title>Drei Wege zum Sachverständigen</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2026 15:57:59 +0000</pubDate>
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(IRS) – Vorweg sei klargestellt, dass damit nicht Wegbeschreibungen oder Ortsangaben fürs Navi gemeint sind. Sondern hier soll berichtet werden vom Werdegang dreier Techniker unterschiedlicher Fachbereiche, die sich für die Tätigkeit eines Gerichtssachverständigen entschieden haben und diese auch erfolgreich ausüben oder ausgeübt haben. Alle drei haben gemeinsam, dass sie diese Wahl nicht von sich aus [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-thumbnail wp-image-6576" title="SV-Stories" src="http://www.sonnek.at/wp-content/uploads/SV-Stories-150x150.png" alt="SV-Stories" width="150" height="150" /></dt>
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<p>(IRS) – Vorweg sei klargestellt, dass damit nicht Wegbeschreibungen oder Ortsangaben fürs Navi gemeint sind. Sondern hier soll berichtet werden vom Werdegang dreier Techniker unterschiedlicher Fachbereiche, die sich für die Tätigkeit eines Gerichtssachverständigen entschieden haben und diese auch erfolgreich ausüben oder ausgeübt haben. Alle drei haben gemeinsam, dass sie diese Wahl nicht von sich aus getroffen haben, sondern erst auf ihre Eignung dafür hingewiesen werden mussten und auf die Vorteile, die eine Tätigkeit als Sachverständiger mit sich bringen kann. Die folgende Darstellung erfolgt anonymisiert.</p>
<p><span id="more-11549"></span></p>
<p><strong>Der eigene Weg</strong></p>
<p>Bevor wir von den drei Kollegen reden, sei kurz der eigene Weg geschildert, oder die eigene Motivation (über die auch schon an anderer Stelle geschrieben wurde, wobei ich allerdings auf die Schnelle nicht mehr weiß, in welchem Artikel, macht aber nix):  Ein wichtiger Aspekt war jedenfalls das Bestreben, zum Beruf als Planer und Berater eine weitere Zusatz-Qualifikation zu bekommen, mit dem Ziel, die Erkenntnisse daraus für noch bessere Bearbeitung von Projekten zu nutzen.</p>
<p>Eine derartige zusätzliche Qualifikation hatte sich schon früher in Form der Ausbildung zur  Sicherheitsfachkraft im Sinne des Arbeitnehmerschutzgesetzes ergeben. Letztere war einerseits sehr wertvoll für HLK-Planungen geworden, weil die Denkweise des Sachverständigen neue Blickwinkel und wichtige Ergänzungen in die Bearbeitung von Projekten einbrachte. Andererseits hatte sich die neue Qualifikation als große Hilfe bei Betriebs- und Anlagengenehmigungen erwiesen, weil sich daraus eine gute Gesprächsgrundlage mit Behörden und insbesondere mit dem Arbeitsinspektorat ergab.</p>
<p><strong>Der Experte für Schwerfahrzeuge</strong></p>
<p>Aus einem Netzwerk für Sachverständige kam der Auftrag, den Schaden eines Verkehrsunfalles zu ermitteln. Der Auftrag zu einem Gutachten betraf  nicht der den Schaden verursachende Lastkraftwagen, sondern ein erheblich demoliertes schweres Sonderfahrzeug. Das wollte ich wegen der damit verbundenen zeitaufwendigen Einarbeitung in die Technik von derlei Gefährten aber nicht selbst erledigen. Zum Glück fiel mir ein Bekannter ein, ein Maschinenbauingenieur, der in einem Betrieb arbeitete, der ähnliche Fahrzeuge herstellte. Der sah sich den Fall an und sagte zu, ein Gutachten zu erstellen, was er dann auch tat.</p>
<p>Nach erfolgreicher Erledigung des Schadensfalls nahm ich mit ihm wieder Kontakt auf. In einem kurzen Gespräch war er von der Idee, selbst Gerichtsgutachter zu werden, sehr angetan und setzte umgehend die notwendigen Schritte.</p>
<p>Interessant war die Folge der neuen Qualifikation: Im Rahmen seiner Tätigkeit war er zuvor unter anderen auch mit der Abwicklung von Reklamationen befasst. Nun bestellte ihn sein Arbeitgeber zum internen Sachverständigen, der solche Reklamationen als neutrale Anlaufstelle übernehmen, unbeeinflusst und unabhängig beurteilen und erledigen sollte. Diese einzigartige und für ihn sehr vorteilhafte Stellung behielt er bis zu seiner Pensionierung.</p>
<p><strong>Der Mitarbeiter einer Maschinenfabrik</strong></p>
<p>Die meisten hochqualifizierten Ingenieure und Wissenschaftler suchen sich Arbeitsstellen, an denen sie sich fachlich und persönlich gut entfalten können. Wer den Platz gefunden hat, an dem die Rahmenbedingungen passen und fachliche Weiterentwicklung gefördert wird, hat wenig Anlass, sich einen neuen Arbeitsplatz zu suchen. Das war auch beim Fachkollegen der Fall, von dem hier die Rede ist. Der Vorschlag, die Prüfung zum Gerichtssachverständigen abzulegen, galt aber nicht ihm, sondern zunächst einmal seiner Frau. Ihre besondere Qualifikation hatte dazu geführt, dass sie eingeladen wurde, an einem schwierigen Projekt mitzuarbeiten, was sie schließlich auch erfolgreich erledigte. Das an sie gestellte Ansinnen zum Eintritt in die Sachverständigentätigkeit bekam auch ihr Mann mit. Der begann sich ebenfalls dafür zu interessieren, in der Folge legten beide die entsprechende Prüfung ab und wurden als Sachverständige vereidigt.</p>
<p>Interessant war auch hier eine unerwartete Konsequenz: Der Ehemann hatte eine Karriere als Freiberufler oder Unternehmer nach Eintragung als Gutachter zunächst noch kategorisch ausgeschlossen. Vielleicht angestoßen durch die Beschäftigung mit dem Gutachterwesen, das ja Unabhängigkeit und damit eine gewisse Form der Selbständigkeit mit sich brachte, entschloss er sich, den Weg in die berufliche Selbständigkeit zu wagen, was dazu führte, dass er seinem Arbeitgeber kündigte. Der Schritt in die unternehmerische  Unabhängigkeit gelang ihm schließlich gut.</p>
<p><strong>Der Werkstofftechniker</strong></p>
<p>Im Gegensatz zu den vorher genannten Personen hatte die dritte ihren Schritt in die Selbständigkeit schon lange hinter sich. Der Werkstofftechniker führte bereits seit vielen Jahren ein national und international tätiges und weithin anerkanntes Ingenieurbüro, das sich mit der Entwicklung innovativer Produkte beschäftigte. Expertisen des Büros zeichneten sich durch Präzision und verlässliche Aussagen aus und in ihrer Art hätten sie jedem Sachverständigen zur Ehre gereicht. Allerdings waren die Hauptkunden seines Unternehmens produzierende Industriebetriebe oder Konzerne und nicht Gerichte, obwohl mehrmals seine durch andere Sachverständige vorgelegte Expertisen auch in Gerichtsfällen sehr hilfreich waren.</p>
<p>Das dem Werkstofftechniker vorgetragene Ansinnen, seine Arbeit könnte doch auch Sachverständigentätigkeit umfassen und um Aufträge aus Gerichten erweitert werden, fand er zunächst etwas überrascht als „überlegenswert“, er entschloss sich aber dann doch recht flott zu diesem Schritt, auch weil ihm klar wurde, dass sein Wissen auch für das Justizwesen wertvoll sein könnte. Und auch deswegen, weil er wusste, dass gute Arbeit auch gut bezahlt wird. Sein nächster Schritt bestand darin, seine Sachverständigenarbeit in einen eigenen und von seinem Unternehmen auch im Stil völlig getrennten Webauftritt zu präsentieren.</p>
<p>Anlässlich eines ausführlichen Gespräches etwa ein Jahr später zeigte er sich sehr dankbar für den Impuls zu diesem Schritt. Das Ergebnis lag weit über seinen Erwartungen: Zahlreiche Aufträge aus Gerichten in ganz Österreich hätten neue Einsichten und Erkenntnisse gebracht und er gab an, dass ihm das neue Arbeitsfeld richtig Spaß machte, auch weil es sehr gut zu seinem Naturell passte. Und er sah bestätigt, dass sein Wissen und seine Erfahrung dringend gebraucht wurde.</p>
<p><strong>Zusammenfassende Gedanken</strong></p>
<p>Über das Sachverständigenwesen ist meines Erachtens viel zu wenig bekannt, insbesondere unter jenen Fachleuten, die für eine solche Tätigkeit in Frage kommen. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Einer mag daran liegen, dass Sachverständigenverbände, die an sich die Kurse für den Zugang veranstalten, ihre Aufgabe eher in der Betreuung bereits aktiver Kollegen sehen. Werben für Neuzugänge ist nicht so sehr ihre Sache, vielleicht auch aus dem Wunsch heraus, sich nicht unnötige Konkurrenz zu züchten.</p>
<p>Ein anderer Grund mag falsche Vorsicht sein: Selbst bei Leuten, die durchaus wissen, was ein Sachverständiger können muss und was er tut, besteht oft eine Scheu, vielleicht sogar zu viel Respekt oder Angst davor, mit dem Gericht irgendwie in Berührung zu kommen.</p>
<p>Trotz alledem kann man nur an potentielle Interessenten appellieren: Informieren Sie sich, stellen Sie Fragen, prüfen Sie, ob die Tätigkeit als Sachverständiger oder Sachverständige nicht auch für Sie ein in jeder Hinsicht lohnendes Arbeitsfeld sein kann! – Für Auskünfte stehe auch ich gerne zur Verfügung, am besten per E-Mail!</p>
<p>&#8212;</p>
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		<title>Persönlichkeiten auf dem Bildungsweg</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 15:32:03 +0000</pubDate>
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(IRS) – Es kann eine sehr spannende Sache sein, über Erfahrungen mit Menschen zu sprechen, die im Laufe unseres Lebens im besten Sinn des Wortes bleibend Eindruck hinterlassen haben. Das trifft klarerweise in erster Linie zu auf Verwandte, Freunde oder Bekannte. Aber nicht von denen soll hier die Rede sein, sondern von einigen Personen, die [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-thumbnail wp-image-3649" title="Eule" src="http://www.sonnek.at/wp-content/uploads/Eule-150x150.jpg" alt="Eule" width="150" height="150" /></dt>
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<p>(IRS) – Es kann eine sehr spannende Sache sein, über Erfahrungen mit Menschen zu sprechen, die im Laufe unseres Lebens im besten Sinn des Wortes bleibend Eindruck hinterlassen haben. Das trifft klarerweise in erster Linie zu auf Verwandte, Freunde oder Bekannte. Aber nicht von denen soll hier die Rede sein, sondern von einigen Personen, die mich auf meinem Bildungs- oder Ausbildungsweg in verschiedenen Phasen eine Zeitlang begleitet haben. Und zwar von einzelnen Menschen mit bezeichnenden Stärken oder auch Schwächen, die aufgrund ihres Wirkens, ihres Einflusses oder ihres Charakters in bestimmter Weise prägend waren.</p>
<p><span id="more-11544"></span></p>
<p><strong>Die Volksschullehrerin</strong></p>
<p>Meine Eltern hatten Wert gelegt darauf, dass ich die Volksschule in der Stadt Weiz besuchen sollte und nicht die etwas näher gelegene – damals etwas ländlicher ausgerichtete – auf dem Weizberg. Die Lehrerin für die ersten drei Schuljahre war <em>Johanna Fleischhacker</em>, eine alleinstehende Dame, ihr Freund war nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt. Mit gebührender Strenge, aber auch mit Humor, verstand sie es, unsere Bubenklasse zu führen.</p>
<p>Ihrem Engagement zu danken sind die zahlreichen und für mich unvergesslichen Exkursionen und Besuche bei Unternehmen, die heute in dieser Art nicht mehr existieren: Die Molkerei im Ort, ein Hammerwerk, eine Drechslerei, Handwerksbetriebe. Auch die vielen geführten Spaziergänge und Wanderungen in der engeren Gegend hinterließen Eindruck, besonders die Fahrten zu einzelnen Zielen auf der Schmalspurbahn und damals noch mit Dampflok …</p>
<p><strong>Der Klassenvorstand</strong></p>
<p>Weiz war damals und ist auch heute noch Bezirkshauptstadt, aber ein Gymnasium gab es nur in der etwas kleineren Stadt Gleisdorf, sechzehn Kilometer weiter südlich. Der Schulweg beinhaltete daher einen ordentlichen Fußmarsch vom Einfamilienhaus unserer Familie zum Bahnhof, die Fahrt nach Gleisdorf, in den ersten Jahren mit der Bahn, später mit dem Bus, und nochmals einen respektablen Fußmarsch zum Gymnasium. In der Oberstufe bekamen wir einen neuen Klassenvorstand, <em>Fritz Lehner,</em> einen gebürtigen Oberösterreicher aus Wels. Wir hatten den „Barbarossa“ auch in Latein und später dazu noch in Englisch.</p>
<p>Auch er wusste, wie man sich Respekt verschafft. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Fähigkeit, für Latein zu begeistern durch Aufzeigen dessen zahlreicher Spuren in unserer Sprache und durch gute begleitende Informationen aus der Geschichte. Hohe Alltagsrelevanz hatte auch sein Englischunterricht, was dazu beitrug, dass ich in diesem Fach eine mündliche Maturaprüfung abgelegt habe. Aktiv war er auch in politischer Hinsicht: Als bekennender Sozialdemokrat brachte er es als „Zuagroaster“ (heißt: Zugezogener) sogar zu einem Sitz im Gleisdorfer Gemeinderat …</p>
<p><strong>Der Mathe- und Physikprofessor</strong></p>
<p>In Mathematik habe ich mich im Gymnasium redlich geplagt. Unser Mathematik-Professor in der Oberstufe, <em>Josef Zoller</em>, hat es mir und anderen aus meiner Sicht auch nicht leicht gemacht. Was manchmal demotivierend war, zu anderen Zeiten aber im positiven Sinn herausfordernd. Denn seine Anforderungen waren hoch, sein Lehrstil und seine Didaktik empfand ich – gelinde gesagt – etwas eigenwillig. Meine Erfolgserlebnisse waren rar, aber es gab sie doch. Es ist mir sogar gelungen, in all den acht Jahren Gymnasium eine einzige Schularbeit auf „sehr gut“ zu schreiben: Die allerletzte in der achten Klasse. Jedenfalls empfinden manche Absolventen das Duschhalten unter ihm Nachhinein als eine Art Adelsprädikat. Und als Verbindung stiftendes Merkmal: Eine etwas sperrige und bockige Auskunftsperson in einem Gutachtensfall wandelte sich zu einer sprudelnden Informationsquelle, nachdem wir beide festgestellt hatten, in Mathe „den Zoller“ gehabt zu haben …</p>
<p>Eine ganz andere Sache hingegen war sein Physikunterricht. Da war ich bei den Besten, denn das Fach interessierte mich. Vor allem aber wegen des Humoreffekts, weil etliche der von „Le Sepp“ durchgeführten und teilweise improvisierten Versuche grandios scheiterten und dadurch erst recht unvergesslich wurden:</p>
<p>-          Vielleicht weil er nicht gerade zierliche Hände besaß, ging das filigrane Glasmodell einer Brunnenpumpe bereits bei der ersten Vorstellung klirrend zu Bruch. Jedenfalls habe ich mir gemerkt, dass es ein Saug- und ein Druckventil aufgewiesen haben soll.</p>
<p>-          Zwecks Spektralanalyse des Flammenlichts hielt ein assistierender Schüler an einer Zange ein  Stück Magnesium in die offene Flamme des Bunsenbrenners. Der Professor war mit dem Effekt nicht zufrieden, wollte es selbst versuchen, griff die Zange am heißen Ende an, warf sie jaulend weg und stürzte zum Waschbecken, um die Brandwunde zu kühlen.</p>
<p>-          Zum Thema Magnetismus wollte er mittels Hufeisenmagnet Metallkügelchen aus einem Glas holen. Der Professor war etwas überrascht, dass das nicht funktionierte, aber jeder, der damals in der Klasse saß, weiß seither, dass Bleikugeln nicht auf Hufeisenmagnete reagieren.</p>
<p>Das sind nur drei der vielen derartigen Erlebnisse, die ich nicht vergessen kann. Jedenfalls habe ich in Physik mündlich bei ihm maturiert und offenbar wider des Professors Erwarten mit „sehr gut“ abgeschlossen, was ihn dann beim Abschied zur Bemerkung veranlasst hat: „Aber in Mathematik hast Du immer noch einen Dreier!“</p>
<p><strong>Der Professor für Darstellende Geometrie</strong></p>
<p>Als eine Hilfskraft am Institut das Ergebnis meines stundenlangen Bemühens um korrekte konstruktive dreidimensionale Darstellung des Sechskants eines Schraubenkopfes mit der Bemerkung aburteilte, das, was ich ihm gerade vorgelegt hatte, sei eine „saubere Freihandzeichnung“, war mir klar, dass an der damaligen Technischen Hochschule andere, wesentlich höhere Maßstäbe galten als beim „Burschi“, unserem Professor für Darstellende Geometrie am Gymnasium.</p>
<p>Der Leiter des Instituts, <em>Fritz Hohenberg</em>, war ehrfurchtgebietend in jeder Hinsicht. Zum einen pflegte er freihändig Zeichnungen an die Tafel zu werfen, die auf Anhieb passten. Schnittpunkte von Linien und Kurven saßen da, wo sie hingehörten. Mit tiefer, sonorer Stimme erklärte er Zusammenhänge. Gutem Humor war er nicht abgeneigt, sofern er das gerade besprochene Thema traf. Selbst von einer versehentlich zuhause liegen gelassenen Brille ließ er sich nicht vom Zeichnen abhalten: Die Seiten seines Buches „Konstruktive Geometrie in der Technik“ hatte er im Kopf, ebenso die Abbildungen, lediglich deren Nummern erfragte er sich aus der ersten Reihe der Zuhörer.</p>
<p>Hohenberg war noch von alter Schule, was Ordnung und Disziplin seiner Hörer betraf. Einen Studenten, der fünf Minuten zu spät in seine Vorlesung kam, warf er hochkant hinaus. Seine Prüfungen waren mit Recht gefürchtet. In der Zeit, als ich vor meiner Prüfungsaufgabe saß, machte sich in mir breite Sehnsucht breit, jetzt stattdessen irgendwo auf einem weit entfernten Berggipfel zu sitzen. Aber es ging alles glatt!</p>
<p><strong>Der Professor für Verbrennungskraftmaschinen</strong></p>
<p>Als künftiger Ingenieur empfand ich den Motorenbau als so etwas wie die Krone des  Maschinenbaus, natürlich zusammen mit den thermischen Turbomaschinen, denen später mein Hauptinteresse galt. Die Namen List und Pischinger strahlten damals weit über die Grenzen Österreichs hinaus, die beiden Wissenschaftler waren Herausgeber und Autoren der mehrbändigen Enzyklopädie „Die Verbrennungskraftmaschine“, die uns Studenten als Leitlinien für eigene Konstruktionsversuche dienten.</p>
<p><em>Anton Pischinger</em> habe ich als unaufgeregten, väterlichen Charakter in Erinnerung, von seiner  Vorlesung über Verbrennungskraftmaschinen selbst ist mir vom Stoff her nicht viel in Erinnerung geblieben, weil alles irgendwie gleich interessant war. Was ich aber mitgenommen habe ist, dass gerade solche hervorragenden Wissenschaftler wie er ihre Kenntnisse, Fähigkeiten und Errungenschaften wenig herausstreichen, sondern sich lieber auf die momentane Aufgabe konzentrieren, die gerade vor ihnen liegt.</p>
<p>Meine mündliche Prüfung habe ich bei ihm zusammen mit einem Kollegen abgelegt. Als dieser auf die an ihn so nebenbei gestellte Zusatzfrage, wie schnell sich die Nockenwelle eines Viertakt-Motors denn dreht im Verhältnis zur Kurbelwelle (halb so schnell), antwortete der Kollege prompt falsch (gleich schnell). Der Professor schien die Antwort nicht gehört zu haben und kam über einen kurzen rhetorischen Umweg wieder auf die Frage zurück, die der über seinen Fehler etwas erschrockene Kollege diesmal richtig beantwortete und auch begründete.</p>
<p><strong>Der Professor für Wärmetechnik </strong></p>
<p>An den genauen Titel der Vorlesung über den Kraftwerksbau und der zugehörigen Übung kann ich mich nicht mehr erinnern (ich müsste in den Zeugnissen nachschauen), Tatsache ist aber, dass sich zu dieser Zeit anfangs der Siebziger Jahre sich das Thema Kraftwerke sehr stark auf Atomkraftwerke konzentrierte. In Folge dazu waren Druckwasser-Reaktoren ein bevorzugtes Aufgabengebiet. Die praktische Frage war meist nur, ob als Vorbild für eigene Entwürfe der amerikanischen Bauweise (Westinghouse) der Vorzug gegeben wurde oder der russischen (Woronesch).</p>
<p>Vorstand der Lehrkanzel und zuständiger Professor war <em>Paul Viktor Gilli</em>. Mit seinem etwas süffisanten Humor und mit seinen oft ironischen Bemerkungen konnte ich als Student nicht viel anfangen, dazu war ich noch nicht locker genug. Bei Besprechung meiner Reaktor-Konstruktion gab ich den Durchmesser eines Rohres für die Uran-Tabletten gesprächsweise mit „zwei Zentimeter“ an, was eine langgezogene Antwort in gespielt-entsetztem Ton nach sich zog: „Herr Soooonek – Zeeeentimeeeter – ein Mauuuurermaß!“ Ist mir seither unvergesslich klar, Maurer messen in Zentimeter, Maschinenbauer in Millimeter …</p>
<p>Etwa Zwanzig Jahre später saßen wir auf einer internationalen Konferenz über Gasturbinen zusammen. Er war Leiter einer Arbeitssitzung, ich sein Vize. Wir erteilten den Vortragenden das Wort und leiteten die Diskussionen am Schluss der Vorträge. Seine immer anerkennenden, aber mit Witz vorgebrachten Randbemerkungen über manche Themen und Vortragsinhalte habe ich gerne und mit Schmunzeln registriert …</p>
<p>&#8212;</p>
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		<title>Vom Umgang mit Kritik</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 07:53:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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(IRS) – Wer sich für aktuelle, heiß diskutierte und noch dazu öffentlichkeitswirksame Tagesthemen interessiert, wirft meist auch einen Blick auf die zugehörigen Leserreaktionen in seiner bevorzugten Tageszeitung. Dort trifft er auf einen Ausschnitt dessen, was man „Stimme des Volkes“ nennt. Und die ist meist betont kritisch unterwegs, besonders jenen Politikern gegenüber, die im Rampenlicht der [...]]]></description>
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<p>(IRS) – Wer sich für aktuelle, heiß diskutierte und noch dazu öffentlichkeitswirksame Tagesthemen interessiert, wirft meist auch einen Blick auf die zugehörigen Leserreaktionen in seiner bevorzugten Tageszeitung. Dort trifft er auf einen Ausschnitt dessen, was man „Stimme des Volkes“ nennt. Und die ist meist betont kritisch unterwegs, besonders jenen Politikern gegenüber, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen. Manche Politiker lassen sich nicht mehr alles gefallen und reagieren mitunter recht dünnhäutig. – Aber auch Sachverständige stehen in gewissem Maß in der Öffentlichkeit und müssen lernen, mit Kritik richtig umzugehen.</p>
<p><span id="more-11419"></span></p>
<p><strong>Freundlichkeit hat manchmal ein Ablaufdatum</strong></p>
<p>Im Vorbereitungsseminar für die Sachverständigen-Prüfung hat ein vortragender Richter den teilnehmenden Kandidaten sinngemäß folgendes zu bedenken gegeben: „Am Anfang eines Gerichtsverfahrens haben Sie nur „Freunde“, denn beide Streitparteien und deren Rechtsvertreter sind Ihnen nach außen hin wohlgesonnen und werden Sie in Ihrer Arbeit auch gut unterstützen, zumindest soweit die jeweilige Prozesstaktik dies zulässt. Wenn Sie aber dann ein Gutachten vorgelegt haben, wird die Partei, die aufgrund Ihrer Aussagen sich eher in der bedrohlichen Lage sieht, den Prozess möglicherweise zu verlieren, ihre Haltung naturgemäß verändern und deutlich weniger freundlich zu Ihnen stehen als bisher.“</p>
<p><strong>Kritik kommt in vielen Formen daher</strong></p>
<p>Es gibt etliche Situationen in einem Verfahren, in dem ein Sachverständiger mit Kritik konfrontiert sein kann. Die Kritik kann sowohl seine Arbeit – das Gutachten – betreffen, aber auch sein Verhalten, sei es bei einer Befundaufnehme oder vor Gericht. Aber egal welcher Rahmen, von entscheidender Bedeutung ist die Art, wie ein Sachverständiger damit umgeht. Einige Beispiele und Erlebnisse aus eigener jahrzehntelanger Tätigkeit sollen hier zur Sprache kommen. Sie werden besonders für jüngere Kollegen von Interesse sein. Dabei sollen Missgeschicke nicht verschwiegen werden, lernt man doch besonders gut aus Fehlern anderer und kann sie folglich selbst vermeiden.</p>
<p><strong>Grundsätzliches Verhalten </strong></p>
<p>Wenn Kritik geäußert wird, egal in welcher Form, egal zu welchem Anlass und egal von wem, lautet der oberste Grundsatz: Zunächst Ruhe bewahren! Das Ego zügeln. Keine unüberlegten Aktionen oder Reaktionen zulassen! Keinesfalls bissig sein! Jedes unüberlegte Wort ist eines zu viel! Stattdessen ist es grundsätzlich besser, sich für einen Moment auf die eigene Zunge zu beißen. Neutral sein. Cool bleiben. Sich keinesfalls provozieren lassen. Kurz nachdenken. Die Situation abwägen und versuchen, sie richtig einzuschätzen. Versuchen, herauszubekommen, was dahintersteht. Abwägen, ob die Kritik zutrifft oder nicht. Dann erst, wenn nötig, reagieren, aber ausschließlich auf sachliche Art.</p>
<p><strong>Ortstermine</strong></p>
<p>Eine rasche und gebührende Entschuldigung für entstandene Missgeschicke (z. B. unbeabsichtigtes Zuspätkommen zum Ortstermin) oder Missverständnisse und Übernahme der Verantwortung (die in meinem Fall nie negative Konsequenzen hatte) beseitigt von vornherein Anlässe zur Kritik. Durch vereinzelte kritische Äußerungen Anwesender habe ich mich nie in meiner Arbeit behindern lassen, bestenfalls habe ich sie – so gewünscht – protokolliert und später in den Befund aufgenommen. Bei ganz seltenen Einwänden, Bedenken oder Kritik gegen meine Vorgangsweise, die trotz Erklärung und Begründung, was ich und warum ich etwas tue, geäußert wurden, habe ich angeboten, die Befundaufnahme zu beenden und das Gericht entsprechend zu verständigen. Davon hat dann aber – so ich mich recht erinnere – keiner der Kritiker Gebrauch gemacht.</p>
<p><strong>Gutachten</strong></p>
<p>Auch wer noch so sorgfältig arbeitet, macht Fehler. Hin und wieder habe ich in Gutachten die „klagende Partei“ als „beklagte Partei“ bezeichnet und umgekehrt. Oder es sind mir kleinere Berechnungsfehler passiert. Zum Glück hatte keiner davon Auswirkungen auf die Gutachtensergebnisse. Wie geht man mit solchen Fehlern um? Nun, viel hängt erfahrungsgemäß von der Phase ab, in der entweder das Verfahren oder die Verhandlung gerade stehen. In einigen Fällen hätten diese Unzulänglichkeiten keinen interessiert, weil es um wesentlich wichtigere Dinge ging. In anderen Fällen hatte ich den Eindruck, es sei angebracht, darauf vorsorglich hinzuweisen. Immer wurden Aufzeigen und Korrektur dieser Fehler positiv, fast mit Wohlwollen, aufgenommen. Aufrichtigkeit zahlt sich immer aus!</p>
<p><strong>Gerichtstermine</strong></p>
<p>Jeder kennt das von Diskussionen: Wenn jemandem die Argumente ausgehen, die auf die Streitsache bezogen waren, dann greift er zu „ad-hominem“-Attacken, die Angriffe gelten nicht mehr der Sache, sondern zielen auf die Person des Gegners in der Auseinandersetzung. Der von der Gegenseite soll unglaubwürdig dastehen, herabgesetzt, oder gar lächerlich gemacht werden. Das passiert auch Sachverständigen, zum Beispiel dann, wenn eine Partei darauf abzielt, einen anderen Sachverständigen zu bekommen, von dem sie sich ein für sie vorteilhafteres Agieren erwartet, und dazu alle nur erdenklichen Einwände und Kritiken vorbringt.</p>
<p><strong>Angriffe während der Verhandlung</strong></p>
<p>Wenn sich während einer Gerichtsverhandlung ein Anwalt seinen Frust von der Seele redet und dabei mich als Sachverständigen als Ziel ins Auge nimmt mit direkten Angriffen oder Vorwürfen, sollte ich erst einmal dem Anwalt und seiner Suada aufmerksam zuhören, ihm keinesfalls ins Wort fallen, ansonsten gar nicht reagieren und einfach still sein. Wenn danach eine längere Pause entsteht, ist es zunächst Sache des Richters, zu entscheiden, was als nächstes geschieht. Fordert der mich auf, Stellung zu nehmen, kann ich das tun, aber nicht ohne mir vorher genau zu überlegen, was ich sagen will und was nicht. Fällt mir nichts ein, kann ich antworten, dass ich zu einem späteren und für mich passenden Zeitpunkt dazu Stellung nehmen werde.</p>
<p><strong>Eine Gutachtenserörterung …</strong></p>
<p>In einem Verfahren vor vielen Jahren fand sich ein Rechtsanwalt nach Vorliegen des Gutachtens in der unangenehmen Situation einer dräuenden Niederlage für seinen Klienten. Der Anwalt entschied sich daraufhin, als Konterstrategie einen Weg der rigorosen Zermürbungstaktik einzuschlagen. Und zwar nicht wider den Prozessgegner, sondern gegen den Sachverständigen. In diesem Fall traf das mich. Zum Gutachten wurde ein Antrag auf Erörterung gestellt, unter simultaner Vorlage eines Katalogs von etwa 230 Fragen. Aus meiner Sicht hatten viele der gestellten Fragen nichts mit dem gegenständlichen Verfahren zu tun, aber das war eben meine Sicht. Noch dazu begann etwa jede zehnte Frage des Katalogs ungefähr so: „Ist der Herr Sachverständige immer noch seiner Meinung, dass …“</p>
<p><strong>… als Beispiel …</strong></p>
<p>In Summe gesehen verstand ich die Frageliste als massive Kritik an meiner Gutachterarbeit. Die Ausarbeitung der Antworten zur Liste erwies sich als mühsam, aber machbar, die Vorlage der Antworten erfolgte schriftlich. Die auf mehrere Stunden angesetzte Gerichtsverhandlung kam, die Präsentation der Antworten erfolgte Punkt für Punkt. Irgendwann einmal nach unendlich zäh empfundenem Zeitverlauf mit Wortwechsel um Wortwechsel rutschte mir die Bemerkung heraus, die gerade erörterte Frage hätte „nichts mit dem Verfahren zu tun“. Diese Behauptung mag in technischer Sicht richtig gewesen sein, juristisch aber nicht, wie ich dem Aufschrei mitsamt nachfolgendem Gebrüll des Anwalts entnehmen konnte. Er hatte meine Bemerkung noch dazu als Kritik an seiner Person empfunden.</p>
<p><strong>… für eigenes Fehlverhalten …</strong></p>
<p>Der brüllende Rechtsvertreter erhob sich, knöpfte sein Jackett zu und verlangte von der Richterin meine Abberufung als Sachverständiger aufgrund von Befangenheit. Nachdem er sich wieder gesetzt hatte, erhob sich der Anwalt der Gegenseite, knöpfte seinerseits das Jackett zu, ergriff sein Exemplar der Zivilprozessordnung und zitierte daraus die Gründe, die zu Befangenheit führen könnten. Ich erinnere mich nur mehr an Alkohol- oder Drogeneinfluss und nahe Verwandtschaftsverhältnisse. Dann beantragte er, das Ansinnen der Gegenseite abzulehnen. Die Richterin stimmte ihm zu und ich war immer noch Sachverständiger im Verfahren.</p>
<p><strong>… und die Lehren daraus</strong></p>
<p>Meine wichtigste Lehre daraus: Äußere nie etwas vor Gericht, was in Bezug auf ein Verfahren auch nur andeutungsweise als Kritik an irgendeiner der involvierten Personen oder Institutionen verstanden werden könnte. Das war und ist nicht meine Aufgabe. Für Sachverständige gilt: Kritik aushalten? Ja! Missstände aufzeigen? Ja! Sich rechtfertigen? Ja, selbstverständlich, aber nur, wenn es die Mühe wert ist. Kritik üben? Nein. Die zweite wichtige Lehre: Lasse dich nie und nimmer provozieren! Selbst wenn es manche mit ihrer Kritik darauf anlegen, bleibe gelassen und biete keinen Anlass für unnötige Auseinandersetzungen oder gar Rechthaberei. Das wäre unnötiger Verschleiß von Nerven und Kraft. Das Leben hält besseres bereit.</p>
<p>&#8212;</p>
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		<title>Obergutachten für einen Kombi-Kellerraum</title>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2026 05:10:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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(IRS, 6122) – Der Besitzer eines neu erbauten Einfamilienhauses hatte dieses fertig eingerichtet, aber noch nicht bezogen. Im Zuge eines winterlichen Kontrollgangs öffnete er die Kellertüre und erstarrte prompt: Das ausgebaute Kellergeschoß stand bis knapp unter der Decke unter Wasser. – Die Diskussionen des Hausbesitzers mit den Versicherungen und dem Installateur fruchteten nichts. Der Hausbesitzer [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-thumbnail wp-image-2406" title="IMG_7451" src="http://www.sonnek.at/wp-content/uploads/IMG_7451-150x150.jpg" alt="Adler" width="150" height="150" /></dt>
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</div>
<p>(IRS, 6122) – Der Besitzer eines neu erbauten Einfamilienhauses hatte dieses fertig eingerichtet, aber noch nicht bezogen. Im Zuge eines winterlichen Kontrollgangs öffnete er die Kellertüre und erstarrte prompt: Das ausgebaute Kellergeschoß stand bis knapp unter der Decke unter Wasser. – Die Diskussionen des Hausbesitzers mit den Versicherungen und dem Installateur fruchteten nichts. Der Hausbesitzer klagte den Installateur. Das Gericht bestellte einen Sachverständigen. Der kam in seinem Gutachten zum Schluss, der Installateur habe alles richtig gemacht und sei nicht zur Verantwortung zu ziehen. Der Hausbesitzer verlor den Prozess.</p>
<p><span id="more-11403"></span></p>
<p><strong>Angeklagt: Der Gerichtssachverständige </strong></p>
<p>Aber er gab nicht auf. Es gehört nun einmal zu den Risiken der Tätigkeit eines Sachverständigen, dass er selbst vor dem Richter landen kann. So erging es auch dem erwähnten Kollegen. – Muss einfügen, dass mir derlei zum Glück nie  zugestoßen ist, wahrscheinlich auch aufgrund rigoroser Anwendung praxistauglicher Prinzipien und Methoden des Qualitätsmanagements. – Der Kollege Sachverständiger stand also vor Gericht. Und ich wurde in dieser Angelegenheit Hausbesitzer gegen Sachverständigen zum Obergutachter bestellt. Letzterer ist vereinfacht gesagt ein Gutachter, der andere Gutachten begutachtet.</p>
<p><strong>Das Ganze nochmal von vorne</strong></p>
<p>Ich hoffe inständig, liebe kluge Leserin, lieber charmanter Leser, dass Sie mir bisher noch folgen konnten. Es folgte der nächste Schritt: Befundaufnahme im neugebauten Einfamilienhaus. Mittlerweile war alles trockengelegt, saniert und erstrahlte im alten neuen Glanz. Die Ursache des Wasserschadens war bekannt: Ein Druckminderventil war eingefroren, dann offenbar beim Auftauen geplatzt und die austretenden Wassermengen überfluteten den Keller. Recht rasch stellte sich die Kernzone des Problems heraus: Ein Kombi-Kellerraum. Genauer gesagt, der Heizraum, der zugleich als Wirtschaftsraum fungierte.</p>
<p><strong>Was war geschehen?</strong></p>
<p>Der Hauswasseranschluss war dergestalt, dass Wasserzähler und Druckminderventil an der Außenwand des Raumes direkt unter dem Kellerfenster zu liegen kamen. Dieses Kellerfenster war ständig geöffnet, weil durch dieses die Verbrennungsluft für den Gas-Heizkessel einströmte, je kälter, desto mehr. In einer mehrtägigen Kälteperiode mit bis minus fünfzehn Grad Außentemperatur führte der ständige Kaltluftschleier dazu, dass das unisolierte Druckminderventil einfror. Weder die Wärmeabgabe des Heizkörpers in diesem Raum noch die Abwärme des Heizungskessels und der gut isolierten Heizungsleitungen waren stark genug, dies zu verhindern.</p>
<p><strong>Schlussfolgerungen</strong></p>
<p>Der beklagte Sachverständige hatte die Sachlage hingegen völlig anders gesehen. Er war in seinem Gutachten zum Schluss gekommen, dass die Lage des Druckminderventils an der Außenwand und unter dem Kellerfenster für das Auftreten des Schadensfalls keine Rolle gespielt habe. Dass der Installateur korrekt gearbeitet hätte. Auch übersah er offensichtlich, dass der Gaskessel in Wandausführung zur Vermeidung jeglicher Probleme mit Einfrieren eine direkte Ansaugung der Verbrennungsluft von außen hätte aufweisen müssen und nicht eine indirekte aus der Raumluft mit Nachströmung über das stets geöffnete Kellerfenster.</p>
<p><strong>Fragen und Antworten im Gutachten</strong></p>
<p>Es ist anzumerken, dass die Fragen des Gerichts für einen derartigen Fall von besonderer Art sind und dass deren Beantwortung vom „Obergutachter“ viel Ausdauer und Zähigkeit erfordern. In meinem Gutachtensteil umfasst die Beantwortung jeder einzelnen Frage mehrere Seiten. Eine Zusammenfassung der Fragen und Antworten findet sich in den meisten meiner Gutachten auf Seite 2, gleich nach dem Deckblatt. Auch in diesem Fall habe ich mich bemüht, trotz der langen Fragen mit einer einseitigen Zusammenfassung durchzukommen. Die Fragen konnten wegen ihrer Komplexität nicht gekürzt werden, daher mussten die Antworten extrem kurz und trotzdem treffend sein. Das Ergebnis sei hier eingefügt:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Das Gutachtensergebnis lässt sich wie folgt kurz zusammenfassen:</p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Der Sachverständige möge insbesondere dazu Stellung nehmen, ob der Beklagte bei der Gutachtenserstellung im Verfahren xx Cg xx/xxy in den gutachterlichen Schlussfolgerungen nicht sorgfaltsgemäß gehandelt hat, insbesondere aus technischer Sicht eine unrichtige Beurteilung erstattet hat, welche dafür verantwortlich war, dass das Klagebegehren gegen die dort beklagte Partei yyyyyyy als nicht zu Recht bestehend beurteilt wurde.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;">Antwort: Der Beklagte hat bei einigen seiner gutachterlichen Stellungnahmen aus technischer Sicht nicht sorgfaltsgemäß gehandelt und aus technischer Sicht einige unrichtige Beurteilungen erstattet.</p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Weiters möge er zu den strittigen technischen Sachverhaltsfragen (Ö-Norm, Temperaturmessungen, Frostperioden) anführen, ob bei sach- und fachgerechter Gutachtenserstellung eine andere Schadensursache angeführt worden wäre. Dazu wird insbesondere auf das Vorbringen der klagenden Partei in AS xx verwiesen, wonach der Beklagte zur Anordnung des Druckminderventils, zur Berechnung der Luftströmung im Heizraum, zu den Schlussfolgerungen bezüglich Temperaturen im Schadenszeitraum, zum Umstand der nicht sach- und fachgerechten Heizraumbelüftung ein nicht sach- und fachgerechtes Gutachten erstattet hat.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;">Antwort: Einige Schlussfolgerungen des Beklagten waren nicht sach- und fachgerecht, so war etwa die Situierung des Druckminderventils ausschlaggebend für den Schaden.</p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Der Sachverständige möge für den Fall, dass der Beklagte im Vorverfahren keine sach- und fachgerechte Gutachtenserstellung erstattet hat, darstellen, ob bei sach- und fachgerechter Gutachtenserstellung der Nebenintervenient im gegenständlichen Verfahren eine sach- und fachgerechte Werkleistungserbringung attestiert hätte, oder bei sach- und fachgerechter Gutachtenserstellung eine mangelhafte Werkleistung der Nebenintervenientin angeführt worden wäre.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;">Antwort: Auf Grund der Situierung des Druckminderventils und der Führung der Verbrennungsluft für das Heizgerät über den Heizraum, der auch als Wirtschaftsraum verwendet wird, wäre bei sach- und fachgerechter Gutachtenserstellung eine mangelhafte Werkleistung der Nebenintervenientin angeführt worden.</p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Weiters wird auf das Vorbringen der beklagten Partei verwiesen, wonach der Sachverständige im Vorprozess sämtliche zur Kausalitätsproblematik relevanten Fragen abschließend beantwortet hätte und insbesondere festgehalten hätte, dass es keine Norm oder Richtlinie gibt, welche grundsätzlich den Einbau von Sanitärarmaturen außerhalb eines Kellerfensters verbietet, insbesondere auch keine Richtlinie der Stadt xxxxxx über die Anschlüsse von Sanitäreinrichtungen.</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="padding-left: 30px;">Antwort: Die Ö-Norm B 2531-1 enthält unter Ziffer 9.2.2 die Vorgabe „Verbrauchsleitungen sollten nicht in oder an Außenwänden liegen“. Sanitärarmaturen sind naturgemäß immer in Leitungen eingebaut und sollten daher ebenfalls nicht an Außenwänden liegen. Weil aber Kellerfenster immer in Außenwänden zu finden sind, lässt sich daraus schließen, dass weder Wasserleitungen noch Sanitärarmaturen unter Kellerfenstern liegen sollten.</p>
<p><strong>Nachspiel</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Aufgrund des Gutachtensergebnisses ergaben sich für die Parteien weitere Fragen, die in einer Gutachtensergänzung beantwortet wurden. Das gesamte Ergebnis wurde dann in einer Gerichtsverhandlung nochmals ausgiebig erörtert. Unter Zusammenwirken aller Beteiligten wurde schließlich ein Vergleichsvorschlag erstellt, der nach einigem Hin und Her von den Parteien angenommen wurde und der dem klagenden Hausbesitzer weitgehend entgegenkam. Abschließend lässt sich sagen, dass allen Beteiligten die Erleichterung über das Ende des Verfahrens anzusehen war.</p>
<p>P.S.: Der Beklagte, dessen Versicherung für den vereinbarten Vergleichsbetrag aufzukommen hatte, lud anschließend alle Anwesenden mitsamt Richterin und Anwälten zu einem gemütlichen Umtrunk in einem nahen gelegenen Lokal ein. Der Einladung kamen alle gerne nach.</p>
<p>&#8212;</p>
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		<title>Preis und Wert (19) – Verdienst und Zeit</title>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2026 07:04:48 +0000</pubDate>
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(IRS) – Als ich zu meinem Dienstverhältnis als geschäftsführender Gesellschafter eines technisch ausgerichteten gewerblichen Familienunternehmens in einen freien Beruf als Zivilingenieur eingestiegen bin, stand folgende Motivation dahinter: Der Wunsch, neue auf persönliche Stärken zugeschnittene Geschäftsfelder zu erschließen, verbunden mit der Hoffnung, durch ein zusätzliches Einkommen die Versorgung meiner wachsenden Familie nicht nur zu sichern, sondern [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-full wp-image-11375" title="Uhr 2" src="http://www.sonnek.at/wp-content/uploads/Uhr-2.jpg" alt="Uhr " width="150" height="147" /></dt>
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<p>(IRS) – Als ich zu meinem Dienstverhältnis als geschäftsführender Gesellschafter eines technisch ausgerichteten gewerblichen Familienunternehmens in einen freien Beruf als Zivilingenieur eingestiegen bin, stand folgende Motivation dahinter: Der Wunsch, neue auf persönliche Stärken zugeschnittene Geschäftsfelder zu erschließen, verbunden mit der Hoffnung, durch ein zusätzliches Einkommen die Versorgung meiner wachsenden Familie nicht nur zu sichern, sondern zu verbessern. Letzteres Bestreben hat wohl jeder selbständig Tätige, er wird deshalb immer ein wachsames Auge auf seine Einkommenssituation werfen.</p>
<p><span id="more-11370"></span></p>
<p><strong>Entwicklungen im Berufsweg</strong></p>
<p>Im Laufe der Jahre wurde der Freiberuf ein immer stärkerer Teil meiner Tätigkeit, auch die Ausrichtung verlagerte sich immer stärker vom Planer als geistig-schöpferischer Dienstleiter hin zum Berater und Gutachter. Das, was ich am freien Beruf von Anfang an so sehr schätzte, waren die hohe Verantwortung, das von den Auftraggebern entgegengebrachte Vertrauen, die stärkeren persönlichen Beziehungen zu Klienten und Partnern, die spannenderen und manchmal bis ans Äußerste fordernden Aufgaben, aber auch die für die erfolgreiche Arbeit notwendige hohe Genauigkeit und Qualität. Für das Sachverständigenwesen galt das in besonderem Maß.</p>
<p><strong>Wie hoch müssen Umsätze und Gewinn sein?</strong></p>
<p>Wie jeder andere Planer, Berater oder Gutachter auch, wollte ich zunächst einmal abschätzen, welchen Umsatz ich mit Blick auf meine Lebenswirklichkeit erzielen würde müssen, zumindest in grober Vorausschau. Dazu musste erst einmal das gewünschte monatliche oder jährliche Netto-Einkommen angesetzt werden. Zu diesem Betrag waren die voraussichtlichen Aufwendungen für Steuern, Sozialversicherung und sonstige gesetzlichen Abgaben hinzuzurechnen. Weiters zu berücksichtigen waren die für die laufende Führung des Bürobetriebs notwendigen Aufwendungen für Mieten, Betriebskosten, Fahrtkosten, aber auch Versicherungen. Des Weiteren war die Finanzierung von Anschaffungen zu berücksichtigen, um die eigene Leistungsfähigkeit sicherzustellen, etwa für Fahrzeug, Büroausstattung oder Software. Damit war ein grober Rahmen für die zu erwartenden Kosten festgelegt.</p>
<p><strong>Hilft die althergebrachte Kostenrechnung?</strong></p>
<p>Im nächsten Schritt der Kalkulationen war zu überlegen, ob man davon ausgehend nicht auch gleich einen Stundentarif für die Verrechnung von Arbeitsleistungen ermitteln kann. Theoretisch kann man das: Jährliche Kosten plus Gewinnaufschlag dividiert durch produktive Jahresstunden gibt verrechenbaren Stundensatz. Aber: Kann man damit etwas anfangen? Es mag sein, dass manche öffentlichen Auftraggeber (also staatliche oder staatsnahe Organisationen) derlei Aufschlüsselungen verlangen. Aber Achtung! Als Neuling, der zu Beginn allein arbeitet (und überhaupt jeder Ein-Personen-Unternehmer) sehe ich mich zu dieser Vorgangsweise mit einigen praktischen Fragen konfrontiert.</p>
<p><strong>Wieviel Zeit bleibt für Produktives?</strong></p>
<p>Die wichtigste: Wie hoch kann die Anzahl der produktiven – gemeint ist damit: verrechenbaren – Arbeitsstunden pro Jahr tatsächlich angesetzt werden? Vielleicht eintausendachthundert, wie sie ungefähr für einen Angestellten anfallen? Oder doch nur eintausendfünfhundert? – Meiner Erfahrung nach wären das Zahlenwerte, die auf viel zu optimistischen Annahmen beruhen. Zweitausend Arbeitsstunden wendet ein neu beginnenden Selbständigen zwar leicht auf, wahrscheinlich noch deutlich mehr. Aber produktive Stunden nehmen nur einen Teil davon ein, wie jeder schon länger selbständig Tätige sofort bestätigen wird. Die persönliche direkt produktive Zeit sinkt noch weiter, wenn Mitarbeiter angestellt sind: Langjährig tätige Ziviltechniker-Kollegen mit mehreren Mitarbeitern meinten, sie wären froh, wenn sie auf achthundert kämen. Der Rest geht in Betriebsführung, Organisation, Akquise und vieles andere mehr.</p>
<p><strong>Der Realität ins Auge sehen</strong></p>
<p>Nun versetzen wir uns nun in die Lage eines Neulings: Er wird am Anfang richtig „Gas geben“ müssen, was zur Folge hat, dass allein schon für die notwendige Akquise und das damit verbundene „Klinkenputzen“ bei potenziellen Auftraggebern viel Zeit aufzuwenden sein wird. Menschen sind keine Maschinen, will heißen, wir brauchen immer einmal ausreichend Räume für Erholung, Urlaub oder Unvorhergesehenes. Noch dazu bedarf es eines gewissen Maßes an zeitlicher Flexibilität, etwa für Angelegenheiten, die vielleicht nicht so laufen, wie man sich das wünscht. Es wäre eine Fehlvorstellung, davon auszugehen, dass sich der (scheinbar) zur Verfügung stehenden Zeitrahmen voll mit produktivem Schaffen zupflastern ließe. Im Regelfall verhält es sich doch so, dass produktive Zeit „freigekämpft“ werden muss. Es braucht Umsicht und viel Selbstdisziplin, Zeitkorridore zu schaffen, in denen ungestörtes Arbeiten möglich ist. Wir müssen auch bedenken, dass nicht zu jeder Tageszeit volle Arbeitskraft und Konzentration möglich sind.</p>
<p><strong>An Wertstrategie führt kein Weg vorbei</strong></p>
<p>All diese Unsicherheiten führen zu einer Konsequenz: Honorare müssen von Anfang an hoch genug bemessen sein, damit das Auftreten genannter Unwägbarkeiten von vornherein kein existenzielles Problem darstellen kann. Deshalb führt kein Weg an der Strategie vorbei, möglichst hohen Wert zu schaffen, der von den Auftraggebern auch als solcher erkannt und entsprechend honoriert wird. Das heißt, die Honorargestaltung ist vom Kosten-plus-Aufschlag-Denken gänzlich zu trennen und unabhängig davon ist ein System zu schaffen, das so sehr in Richtung Wertsteigerung ausgerichtet ist, dass es zwangsläufig hohe Erträge nach sich zieht. Einige Elemente dazu haben wir in den bisherigen Beiträgen besprochen, weitere Überlegungen sollen noch folgen.</p>
<p><strong>Ein offenes Wort </strong></p>
<p>Schlussendlich muss sich jeder geistig-schöpferisch tätige Selbständige eine wichtige, vielleicht die entscheidende Sinnfrage stellen: Ist es mein erstrebenswertes Ziel, möglichst viele Stunden meines Lebens mit Arbeit zu füllen und den größten Teil meiner wachen Zeit fast ausschließlich in den Beruf zu investieren? – Seien wir doch ehrlich: Wir möchten uns am Leben erfreuen und nicht fast alle wache Zeit, die uns zur Verfügung steht, der Arbeit widmen. Das gilt selbst für denjenigen, der seine Arbeit sehr gerne macht. Denn der der durch harte Arbeit erzielte materielle Wohlstand ist nur ein Teil menschlichen Glücks, heißt es doch: „Best things in life are duty-free.“</p>
<p><strong>Konsequenz</strong></p>
<p>Außerdem dürfen wir nie vergessen, dass auch Zeit ihren Wert hat und es in unserem Leben viele „Kairos“-Momente gibt, die wir auf keinen Fall verpassen wollen. Leben findet immer in der Gegenwart statt, Vergangenes ist vergangen, die Zukunft ist noch nicht da. Wir können nicht unsere laufenden familiären Verpflichtungen vergessen, das Heranwachsen unserer Kinder versäumen oder alle Vorhaben, die hohem persönlichen Stellenwert besitzen, auf den Ruhestand verschieben. Zeitphasen, die nie wiederkommen, können äußerst kostbar sein, wir wollen sie bewusst erleben. Darauf kommt es doch an. – Eine klare Strategie der ständigen Wertsteigerung unterstützt dieses Bestreben.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>(Fortsetzung folgt)</p>
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		<title>Preis und Wert (18) – Wie man Aufträge NICHT abwickelt</title>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2026 10:22:13 +0000</pubDate>
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(IRS) – Wenn jemand aus einem Angestelltenverhältnis in einen freien Beruf wechseln will, muss er sich der kritischen Frage stellen, ob er dafür ausreichend unternehmerische Kenntnisse besitzt. Unternehmerische, nicht nur wirtschaftliche. Dazu gehört, an die verschiedensten Aufgaben, die sich im Geschäftsleben stellen, von vornherein richtig heranzugehen. Das gilt besonders für das Gewinnen von Kunden und [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-thumbnail wp-image-3935" title="Storno" src="http://www.sonnek.at/wp-content/uploads/Storno-150x150.jpg" alt="Storno" width="150" height="150" /></dt>
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<p>(IRS) – Wenn jemand aus einem Angestelltenverhältnis in einen freien Beruf wechseln will, muss er sich der kritischen Frage stellen, ob er dafür ausreichend unternehmerische Kenntnisse besitzt. Unternehmerische, nicht nur wirtschaftliche. Dazu gehört, an die verschiedensten Aufgaben, die sich im Geschäftsleben stellen, von vornherein richtig heranzugehen. Das gilt besonders für das Gewinnen von Kunden und das Gestalten einer für beide Seiten vorteilhaften Geschäftsbeziehung. Wer in dieser Hinsicht in die neue Existenz unvorbereitet hineinstolpert, riskiert nicht nur viel, sondern lässt mitunter unnötig gutes Geld liegen.</p>
<p><span id="more-11344"></span></p>
<p><strong>Ein etwas ratloser Kunde …</strong></p>
<p>Sachverständige sind nicht nur da, um aus ihrer Unabhängigkeit heraus Gutachten zu verfassen, sondern sie führen auch Beratungen durch, die ihre Auftraggeber unterstützen. Genau das will ein Ingenieurskollege in frischgebackener Selbständigkeit auch tun. Bereits der erste Beratungsauftrag ist nach seinem Geschmack: Ein Klient – mit dem er eher zufällig in Kontakt gekommen war – hat einen lukrativen Auftrag in der Tasche, der möglichst rasch erledigt werden muss. Allerdings sieht sich besagter Kunde mit einem argen Hindernis konfrontiert: Die Anschaffung einer neuen Maschine, die das kann, was für den Auftrag nötig ist, will oder kann er sich nicht leisten.</p>
<p><strong>… und ein lohnender Auftrag?</strong></p>
<p>In etwas vorschnellem Optimismus hat er stattdessen eine gebrauchte Maschine erworben. Von der hofft er, sie auf einen technischen Stand aufrüsten zu können, der eine klaglose Fertigung seines Auftrags ermöglicht. Er weiß nur nicht, wie das gehen könnte. Dazu kommt noch, dass die Zeit drängt. Er braucht dringend Hilfe. Der junge Kollege kommt gerade recht. Denn, wie sich herausstellt, bringt er in seinem Erfahrungsschatz mehr als ausreichend Kenntnis mit, um zu wissen, wie man eine Aufrüstung der Maschine mit relativ geringen Kosten und noch dazu sehr rasch durchführen kann. Der Kollege kann und will diesem seinem ersten Klienten unverzüglich helfen.</p>
<p><strong>Vom Honorar ist zunächst keine Rede …</strong></p>
<p>Der junge Kollege ist sogar sofort Feuer und Flamme, weil er vollen technischen Durchblick hat und genau weiß, was jetzt zu tun ist. In seinem Überschwang begeht er – wie viele andere junge Techniker auch – seinen ersten unternehmerischen Fehler: Er verabsäumt, den Wert seiner Leistung dem Kunden gegenüber richtig und überzeugend darzustellen. Denn er tut, was alle Techniker nur zu gerne tun: Er stürzt sich ohne Umschweife auf die technische Problemlösung. Unter den interessierten Augen des Klienten fertigt er in kurzer Zeit umfangreiche Skizzen an, denen jedes Detail des notwendigen Umbaus zu entnehmen ist. Und begeht dann gleich den zweiten Fehler: Er trifft keine Vereinbarung in Bezug auf das Honorar für seine Tätigkeit. Spätestens jetzt wäre das notwendig gewesen.</p>
<p><strong>… dafür gibt es äußerst wertvolle Zusatzleistung</strong></p>
<p>War Vergesslichkeit die Ursache oder einfach die ungestüme Freude über den Auftrag? Oder zu wenig Selbstsicherheit, die Honorarangelegenheit zur Sprache zu bringen? Wir wissen es nicht. Jedenfalls weitet der Kollege seine Tätigkeit jetzt in äußerst wertvoller Weise noch weiter aus: Über Kontakte aus der früheren Berufszeit organisiert er ausgezeichnete Fachleute, die in der Lage sind, den von ihm geplanten Umbau der Maschine in kurzer Zeit durchführen. Anschließend nimmt der Kollege die notwendigen genauen Einweisungen vor und nimmt nach einem geglückten Probebetrieb die erfolgreich geleisteten Aufrüstarbeiten auch ab. Der Einsatz des Kollegen ist geglückt, der Klient hoch erfreut, der Auftrag wird termingemäß erfüllt werden können.</p>
<p><strong>Wie rechen ich das jetzt ab?</strong></p>
<p>Angesichts der problemlos anlaufenden Produktion entschließt sich der junge Kollege, eine Honorarnote zu legen. Er fragt sich nur, wie er das machen soll. Er entschließt sich fast zwangsläufig zu einer Abrechnung nach seinem zeitlichen Aufwand, nach der Zeit, die er hineingesteckt hat. Er kennt nichts anderes. Also geleistete Stunden mal Stundensatz. Inklusive Fahrtzeiten hat er knapp zwei Dutzend Stunden aufgewendet. Nur: Welchen Stundensatz jetzt in Rechnung stellen? Er setzt einhundert Euro an. Der Klient -  wohlgemerkt, der Klient! – fragt zurück, ob er denn da nicht zu wenig verrechnet hätte. Der Kollege korrigiert auf einhundertzwanzig und hat dabei schon ethische Skrupel, macht das doch schon ein paar hundert Euro mehr aus. – Der Klient kann – so darf man annehmen – wohl sein Glück nicht fassen …</p>
<p><strong>Wie hätte man diesen Auftrag anders abwickeln können?</strong></p>
<p>Im Nachhinein weiß man alles besser, „Hättiwäri“ und so. Aber Faktum ist, es hätte anders laufen können. Vor allem: Besser! Vielleicht nach diesem Drehbuch:</p>
<p>-         <em>Erstens: Die Wertverhältnisse klarstellen.</em> Hier mit folgender Feststellung: „Lieber Kunde, eine neue Maschine, die das Geforderte kann, hätte eine halbe Million gekostet. Der Umbau der billig erworbenen Gebrauchtmaschine mit meinem Know-how wird vielleicht mit fünfzigtausend Euro zu Buche schlagen. Dann kann die alte dasselbe wie eine neue Maschine. Allerdings um einen Aufwand von 450.000,&#8212; Euro weniger.“</p>
<p>-         <em>Zweitens: Das Honorar vom „Input“ – dem zeitlichen Aufwand des Kollegen </em><em>– </em><em>entkoppeln und am „Output“ – dem Nutzen des Kunden </em><em>– </em><em>bemessen.</em> In unserem Fall zum Beispiel so: „Lieber Kunde, dein Nutzen aus dem Umbau und damit aus meinem Know-how beträgt ein paar hundert tausend Euro. Es ist daher wohl fair, dass sich mein Lohn an deinem finanziellen Erfolg orientiert. Ich schlage vor, ein paar Prozent vom Nutzen als Honorar anzusetzen.“</p>
<p>-         <em>Drittens: Den Standpunkt bekräftigen.</em> Etwa auf diese Weise: „Lieber Kunde, ich bin bereit, alles sofort liegen und stehen zu lassen, kenne die Lösung, die ich dir sofort skizzieren kann, wenn du zustimmst, ich kann dann alles erforderliche in die Wege leiten. Als Draufgabe kann ich die Fachleute organisieren, den Probebetrieb kontrollieren und die Endabnahme durchführen.“</p>
<p>-          <em>Viertens: Die Vereinbarung sofort schriftlich fixieren.</em> Das könnte so aussehen: „Hier fasse ich alle vorher angesprochenen Punkte zusammen, wir unterschreiben beide und die Sache läuft! Und vergiss nicht: Mein Honorar ist ein großes Entgegenkommen meinerseits zu deinem Vorteil! Dafür mache in deinen Unternehmerkreisen Werbung für mich, wo immer du kannst!“</p>
<p>Diese Art an den Auftrag heranzugehen hätte die Kompetenz des Kollegen nachdrücklich dargestellt und den Wert seiner Leistung in den Augen des Klienten auf einen realen Wert erhöht. Sie hätte dem Kollegen gewiss mehr Freude gemacht und noch dazu locker das Vier- bis Fünffache an Honorar abgeworfen.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Anmerkung: Siehe dazu auch den Blogbeitrag vom 19.02.2021, in dem dieselbe Sache aus einem etwas anderen Blickwinkel besprochen wurde.</p>
<p>(Fortsetzung der Serie folgt)</p>
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		<title>Erfahrungsbericht: Ein komplexer Fall  (Teil 2)</title>
		<link>http://www.sonnek.at/2026/04/24/erfahrungsbericht-ein-komplexer-fall-teil-2/</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Apr 2026 05:40:16 +0000</pubDate>
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(IRS, 5789) – Äußerst selten sind Gerichtsfälle, die nicht mit der Ablieferung des Gutachtens und dessen Erörterung beendet sind. Der komplexe Fall, von dem bereits im vorigen Beitrag die Rede war, ist eine solche Ausnahme. Das umfangreiche Gutachten war also kein Abschluss, sondern diente den Parteien lediglich als Feststellung des Status Quo der Gebäudetechnik. Auf [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-thumbnail wp-image-6040" title="Konflikt" src="http://www.sonnek.at/wp-content/uploads/Konflikt-150x150.PNG" alt="Konflikt" width="150" height="150" /></dt>
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<p>(IRS, 5789) – Äußerst selten sind Gerichtsfälle, die nicht mit der Ablieferung des Gutachtens und dessen Erörterung beendet sind. Der komplexe Fall, von dem bereits im vorigen Beitrag die Rede war, ist eine solche Ausnahme. Das umfangreiche Gutachten war also kein Abschluss, sondern diente den Parteien lediglich als Feststellung des Status Quo der Gebäudetechnik. Auf dessen Grundlage sollten nun Gespräche und Verhandlungen geführt werden mit dem Ziel, einen Vergleich der Streitparteien zustande zu bringen. Vermutlich konnte keiner der Beteiligten vorausahnen, dass dieser Weg  weitere vier Jahre in Anspruch nehmen würde.</p>
<p><span id="more-11336"></span><strong>Details, Details, … </strong></p>
<p>Zunächst bremste ein Richterwechsel das Fortschreiten des Verfahrens. Dann sah man sich mit der Tatsache konfrontiert, dass auf dem Weg zu einer Einigung in erster Linie technische Details zu klären waren. Jedenfalls entschieden sich die Parteien und in der Folge das Gericht, die vielen strittigen technischen Einzelheiten nicht vor Gericht abzuhandeln, sondern gleich unter der Führung des Sachverständigen, in enger Abstimmung mit und unter Kontakthaltung zum Gericht. Die Klärungen sollten immer getragen sein vom Bemühen, beide Seiten zu einem Vergleich zu bewegen. Letztere Bemühungen verliefen zäh, aber zu den weiteren Schritten in Richtung Vergleich konnte konkretes Übereinkommen erzielt werden.</p>
<p><strong>Zweifel an einem Alternativprodukt</strong></p>
<p>Zu einem wichtigen gebäudetechnischen Element hatte die klagende Partei als Ausführende ein Alternativfabrikat angeboten und nach Auftragsvergabe auch installiert. Die beklagte Partei als Betreiber der Anlage zweifelte die Leistungsdaten des alternativen Bauteils an. Die vorliegenden bestätigenden Prüfergebnisse eines ausländischen Instituts wurden nicht anerkannt. Was tun? Wer könnte derlei Messungen durchführen? Mehrere Institutionen wurden kontaktiert, gemeinsam hatten alle dieselbe Einschränkung: Es würde sehr lange dauern, bis geeignete Prüfstände überhaupt erst einmal verfügbar waren.</p>
<p><strong>Untersuchungen am Prüfstand</strong></p>
<p>Glücklicherweise erklärte sich das fachlich zuständige Institut einer inländischen Universität bereit, derartige Messungen sehr rasch und zu einem vertretbaren Preis durchzuführen. Man war in der Lage, bereit und außerdem flexibel genug, eine andere über längere Zeiträume laufende Versuchsreihe zu unterbrechen und die notwendigen Untersuchungen unter den geforderten peniblen Versuchsanforderungen rasch durchzuführen. Besonders herausfordernd war die Tatsache, dass jede Partei die Prüfung mit unterschiedlichen Randbedingungen durchgeführt haben wollte, was zwar möglich war, aber die Kosten deutlich erhöhte. Schließlich wurde unter wachsamen Augen der Beteiligten ein Element vor Ort abgebaut, auf den Prüfstand transportiert, nach erfolgter Prüfung wieder rückgebracht und eingebaut. Es konnte zweifelsfrei festgestellt werden, dass der untersuchte Bauteil die geforderte Leistung unter allen geforderten Randbedingungen problemlos erbringen konnte.</p>
<p><strong>Funktions- und Leistungsmessungen</strong></p>
<p>Funktions-, Leistungs- aber auch Geräuschmessungen waren ebenso an den Anlagen im Gebäude selbst verlangt. Aber nicht nur das: Bei Abweichungen von den ursprünglichen Auslegungsdaten mussten die betroffenen Anlagen neu einreguliert werden. Zur Durchführung der Messungen und Einregulierungen ist anzumerken, dass diese nur außerhalb der Nutzungszeiten der eingemieteten Unternehmen und Institutionen möglich waren. Das bedeutete, dass grundsätzlich nur Zeiträume nach 18:00 Uhr in Frage kamen. In der Praxis zogen sich die Messungen über viele Tage – oder besser gesagt: Abende – nicht selten bis nahe Mitternacht. Die Ergebnisse der Messungen und der Einregulierungen wurden vom Sachverständigen oder unter seiner Aufsicht protokolliert.</p>
<p><strong>Kommunikation über Sachstandsberichte </strong></p>
<p>Die Überwachung der geschilderten Messungen war nur ein Teil der geforderten Aktivitäten des Sachverständigen. Zur in diesem Fall besonders wichtigen Kontakthaltung mit den Parteien und dem Gericht, aber auch zur Klärung offener Fragen und zum Vorbereiten von Entscheidungen wurden in regelmäßigen Abständen Sachstandsberichte angefertigt, in die neben eigenen Mitteilungen und Beobachtungen auch alle Stellungnahmen, Anregungen und Anmerkungen der Parteien aufgenommen wurden. Diese Berichte enthielten im Anhang sämtliche Protokolle der vorhin beschriebenen Messungen und Einregulierungen.</p>
<p><strong>Schrittweise Abwicklung des Vergleichs</strong></p>
<p>Die genannten Sachstandsberichte dienten nicht nur der Kontakthaltung mit den Beteiligten, sondern auch der Bestätigung, dass einzelne Schritte der Vergleichsvereinbarungen vollzogen worden waren. Diese Bestätigungen lösten wiederum die Freigabe von Mitteln aus, die die beklagte Partei in der Folge Schritt für Schritt an die klagende Partei überwies. – Wie ist das Verfahren in Bezug auf die Endabrechnung des gesamten Projekts ausgegangen? Mit Verlaub, das hat den Sachverständigen nicht mehr zu interessieren – und interessiert einen „Langgedienten“ auch nicht. Wie lässt Shakespeare schon Othello sagen: „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen …“</p>
<p>&#8212;</p>
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		<title>Erfahrungsbericht: Ein komplexer Fall (Teil 1)</title>
		<link>http://www.sonnek.at/2026/04/17/erfahrungsbericht-ein-komplexer-fall-teil-1/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 06:25:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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(IRS, 5789) – Es gibt Gerichtsfälle, die vom Sachverständigen keinen großen Aufwand einfordern und damit recht rasch erledigt sind. Ergo geraten sie schnell in Vergessenheit. Andererseits kommen einzelne Fälle vor, die an einen Sachverständigen derart hohe fachliche und organisatorische Anforderungen stellen, dass er sie ein Leben lang nicht vergisst. Von einem solchen Fall soll hier [...]]]></description>
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<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-thumbnail wp-image-4040" title="Scheinbar einfach" src="http://www.sonnek.at/wp-content/uploads/Wettbewerber-150x150.jpg" alt="Einfach" width="150" height="150" /></dt>
</dl>
</div>
<p>(IRS, 5789) – Es gibt Gerichtsfälle, die vom Sachverständigen keinen großen Aufwand einfordern und damit recht rasch erledigt sind. Ergo geraten sie schnell in Vergessenheit. Andererseits kommen einzelne Fälle vor, die an einen Sachverständigen derart hohe fachliche und organisatorische Anforderungen stellen, dass er sie ein Leben lang nicht vergisst. Von einem solchen Fall soll hier die Rede sein. Der war nicht nur kompliziert im Sinne von vielfältig und vielschichtig, sondern auch höchst komplex, was hier bedeuten soll, dass man im Lauf der Bearbeitung nie wusste, welche Überraschung einem als nächstes entgegenkommt.</p>
<p><span id="more-11325"></span><strong>Der „lapidare“ Auftrag</strong></p>
<p>Die Sache begann keineswegs ungewöhnlich. Gegenstand: Ein technisch anspruchsvolles vielstöckiges Multifunktions-Gebäude für gewerbliche Nutzung mit Kosten für die Gebäudeinstallationen im Millionenbereich. Anlass: Der Installateur hatte den Bauträger wegen zurückgehaltener Zahlungen geklagt. Der Gerichtsauftrag war kurz und allgemein gehalten: „Der Sachverständige erhält den Auftrag, ein Gutachten über die auftragsgemäße Werkherstellung, die behaupteten Mängel, Nichterfüllung von beauftragten Leistungen abzugeben.“ Um es kurz zu machen: Der Auftrag sollte mich sechs Jahre lang begleiten. (Lieber Leser, beachte bitte meine Faustregel: Je allgemeiner der Auftrag gehalten ist, desto aufwändiger wird die Arbeit des Sachverständigen!)</p>
<p><strong>Eine erste Orientierung</strong></p>
<p>Um auch nur den Anschein jeglicher Befangenheit zu vermeiden, hatte das  Gericht den zunächst vorgesehenen Sachverständigen abgelehnt, die damit verbundenen Diskussionen hatten das Verfahren ein halbes Jahr verzögert. Das Gericht war bestrebt, die Angelegenheit voranzutreiben. Erst einmal war es notwendig, einen Überblick zu bekommen, über das Verfahren, den Gerichtsakt, die vorliegenden Informationen, die Ansprüche, die behaupteten Mängel, die Ansprechpartner, schließlich über das fertiggestellte und in Betrieb befindliche Gebäude selbst, die darin wirkenden Unternehmen, Zugänglichkeiten etc.</p>
<p><strong>Notwendige Nachforderungen</strong></p>
<p>Ein penibles Durcharbeiten des Gerichtsakts und der darin enthaltenen Beilagen der Parteien ist unabdingbar. Die für die weitere Arbeit wichtigen Informationen müssen aufbereitet werden. Im konkreten Fall ergab sich dadurch, dass über fünfzig Dokumente zitiert oder als Beleg für Aussagen aufschienen, die im Akt nicht vorhanden waren. Diese Dokumente wurden erfasst und  von den Parteien nachgefordert. Man wusste nicht, ob wegen schwieriger Beschaffung oder aus Prozesstaktik: Es vergingen wiederum mehrere Monate, bis diese Unterlagen auch wirklich im Büro des Sachverständigen einlangten und ausgewertet werden konnten.</p>
<p><strong>Fachtechnische Abgrenzungen</strong></p>
<p>Als nächstes erfolgte ein umfassendes Gespräch mit den Parteien und deren Rechtsvertretern mit dem Ziel, einerseits die Sachverständigenarbeit auf die fachlich relevanten Fragen einzugrenzen, die vorgesehenen Modalitäten für die Prüfung der ordnungsgemäßen Werkerstellung zu erklären, die zu behandelnden Mängelbehauptungen Punkt für Punkt klarzulegen und letztlich die nicht beauftragten, aber nicht ausgeführten Leistungen zu benennen. Diese sehr intensiven – aber ergiebigen – persönlichen Gespräche erforderten den Zeitraum eines Tages, weitere erforderliche Detailklärungen erfolgten danach mit einzelnen Betroffenen direkt.</p>
<p><strong>Was wurde tatsächlich eingebaut?</strong></p>
<p>Die Prüfung der Werkherstellung erwies sich trotz der Fülle der zu verarbeitenden Unterlagen als der noch leichteste Teil der Aufgabe. Es war vereinbart worden, die vom Installateur erbrachte  Leistung qualitativ und quantitativ auf Grundlage der Schlussrechnungen positionsweise genau zu prüfen. Dazu wurden alle vorliegenden Aufmaßpläne (einige hundert!) mit deren zugehörigen Listen anhand der Bestandspläne der Gebäudetechnik (Grundrisse, Schnitte und Schemata) Position für Position überprüft und die Rechnungen entsprechend den Feststellungen korrigiert. Der sich daraus ergebende Betrag wurde mit den Beträgen der Schlussrechnungen verglichen, Abweichungen genau dokumentiert.</p>
<p><strong>Örtliche Befundaufnahmen</strong></p>
<p>Mängelbehauptungen und divergente Ansichten über erbrachte Leistungen erforderten Befundaufnahmen vor Ort. In einem vielfältigen Großobjekt im Vollbetrieb wie dem gegebenen war es unerlässlich, örtliche Begehungen, wie sie nun einmal notwendig waren, mit Mietern und Betreibern zeitlich genau zu koordinieren. Dazu kamen noch andere, beispielsweise sicherheitstechnische Aspekte, die Begehungen einzelner Gebäudeabschnitte nur für eine eng begrenzte Personenzahl zuließen. Insgesamt waren zur Gutachtenserstellung vier Ortstermine erforderlich, die alle mehr als einen Tag erforderten. Zur Beurteilung, ob tatsächlich Mängel vorlagen, mussten einzelne Abschnitte bestimmter Installationen zuvor freigelegt werden.</p>
<p><strong>Unplanbare außergerichtliche Tätigkeit</strong></p>
<p>Was tun, wenn eine der beiden Parteien eines laufenden Verfahrens den Sachverständigen bittet, für sie in eigener Sache tätig zu sein, weil ein Notfall besteht und vor Behebung desselben eine sofortige Beweissicherung notwendig sei? Der Sachverständige sei doch bereits mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut und möge bitte ganz schnell handeln … Erste Reaktion: Gericht kontaktieren! Der Richter lässt diese Tätigkeit zu, vorausgesetzt natürlich, die andere Partei im Verfahren habe nichts dagegen. Also Kontakt zur „Gegenseite“, die auch ihr Einverständnis erteilt. Rasche Hilfe war möglich.</p>
<p><strong>Beiziehung eines Sachverständigen für Brandschutz</strong></p>
<p>Ein von der beklagten Partei im Vorfeld veranlasstes und beigestelltes privates Gutachten zum baulichen Brandschutz des Gebäudes hatte erhebliche Mängel aufgezeigt. Dadurch wurde auch naheliegend, ein Auge auf den Brandschutz im Zusammenhang mit den technischen Anlagen zu werfen. Mit Zustimmung der Parteien wurde daher ein weiterer Sachverständiger für Brandschutz beigezogen, diesmal im Unterauftrag, was aus Gründen der sofortigen Verfügbarkeit und Einsatzbereitschaft notwendig war. Dieser Sachverständige deckte eine beachtliche Reihe weiterer Mängel auf, die er in seinem Gutachten im Umfang von 52 Seiten dokumentierte.</p>
<p><strong>Paralleles Wirken eines Privatsachverständigen</strong></p>
<p>Die beklagte Partei hatte – ebenfalls schon im Vorfeld – in Bezug auf die technische Gebäudeausrüstung einen renommierten Privatsachverständigen beauftragt, der seinerseits in bereits Gutachten erstellt hatte, die die Grundlage für die Einwände der beklagten Partei geliefert hatte. Dieser Experte begleitete nun das Verfahren während seiner gesamten Dauer als fachlich versiertes Sprachrohr der beklagten Partei. Positiv zu vermerken ist dazu, dass auch kontroversiell gesehene und ansonsten von den Parteien emotional aufgeladene Themen in einem Klima gegenseitigen Respekts abgehandelt werden konnten.</p>
<p><strong>Ausgedehnte Recherchearbeit</strong></p>
<p>Es ist offenkundige Tatsache, dass Kunden, die ihren Vertrauensvorschuss in einen Professionisten vollständig aufgebraucht sehen, dazu neigen, immer neue Unzulänglichkeiten zu sehen und zu beanstanden. So auch in diesem Fall. Dennoch konnte die Vielzahl der eingebrachten Mängelbehauptungen für die Gewerke der Gebäudetechnik schließlich in insgesamt 30 Bereiche zusammengefasst werden. Das bedeutete aber immer noch, dass eine große Anzahl von Normen, anderen technischen Richtlinien, aber auch von Unterlagen verschiedener Hersteller zu beschaffen und auszuwerten war.</p>
<p><strong>Endlich: Befund und Gutachten</strong></p>
<p>Zwei Jahre nach Auftragserteilung war es endlich so weit: Das Gutachten wies 120 Seiten auf, dazu eine Dokumentation mit 132 Lichtbildern und 66 Seiten Beilagen, dazu noch das Brandschutzgutachten und eine Liste der Gerichtsbeilagen (Klagende Partei: 142, Beklagte Partei: 252). Da zu diesem Zeitpunkt noch kein elektronischer Akt existierte, war der physische Aufwand beachtlich: Ohne den bereits rückübermittelten mehrbändigen Gerichtsakt verblieben beim Sachverständigen sämtliche Beilagen zum Gerichtsakt und natürlich die eigenen Akten. Gesamtumfang: 41 pralle Ordner, davon 19 eigene. Für die zu erwartende Erörterung des Gutachtens wurde bereits vorsorglich um Bereitstellung geeigneter Transportmittel vom Parkplatz bis zum Gerichtssaal ersucht …</p>
<p>(Fortsetzung folgt)</p>
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