Sonnek

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(Gastbeitrag von Elias Sonnek) – Im Osten der Steiermark steht ein kleines uriges Haus auf einem Hügel, in einem Dorf namens Oberfeistritz. Wenn man die Grundstückseinfahrt hinauffährt und oben ankommt, sieht man auf der Hausfront ein großes Bild einer Cartoon-artigen Sonne, die lächelt und einen aufgemalten Wasserhahn hat. Das Haus sieht sehr einfach aus, aber es ist gut ausgestattet: Es hat eine Fußbodenheizung in Bad und Wohnzimmer. Früher waren die Waschbecken im Bad sogar hydraulisch höhenverstellbar – damit Kinder und Erwachsene auf passender Höhe Hände und Füße waschen oder Zähne putzen können.

Das macht alles Sinn, wenn man den Hausherrn kennt: Dipl.-Ing. Dr.techn. Rudolf Ingo Sonnek – für mich: Papa. Heute ist er Sachverständiger und begutachtet die Installationen anderer, früher war er noch technischer Planer und selber Installateur.

Der Zündfunken für sein erstes Eigenprojekt war die Ölpreiskrise von 1973: „Danach haben alle geschaut, wie man Österreich weniger abhängig machen kann, von Energieimporten“. Er war damals im Studium für Maschinenbau und wusste aus der Literatur, dass es früher schon Solarkollektoren gegeben hatte. Aber noch hatte er „keine Ahnung, wie das funktioniert“. Nach seinem Studienabschluss 1974 fing er an, im Planungs- und Installationsbüro seines Vaters zu arbeiten. Er stellte Nachforschungen in der TU Bibliothek an und fand zu dem Thema „uralte Artikel aus den 50er/60er Jahren“.

Er schlug das Projekt seinem Vater und der Firma vor, und sie fingen an zu Bauen. Sie besorgten eine Kupferplatte, eine Rohrschlange, doppelte Glasplatten aus einer Glaserei und bauten alles in einen Holzkasten ein. Nachdem sie fertig waren, haben sie den Kasten mit einem Wasserschlauch abgefüllt und ihn über die Mittagspause in der Sonne stehen lassen, nach dem Motto: „Schau ‘ma mal, was passiert“. Das war im Mai 1975. Als sie zurückkamen, brodelte der ganze Kasten: Oben zischte es raus, es gluckerte und kochte. „Bei Stillstand kriegt das bis zu 160 Grad, sowas weiß man heute, haben wir ja damals nicht gewusst“.

Vorsichtig füllten sie etwas von dem kochenden Wasser in ein Glaserl um, holten ein Teesackerl und gaben es rein. Das war die erste praktische aktive Nutzung von Solarenergie in der Steiermark. „Der Tee hat grauslich geschmeckt aber wir haben alle davon getrunken“. Unten ein Bild mit dem Monteur Franz S., fürderhin genannt „Sonnenfranz“, der das Glas Tee hält.

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Nach der Aktion haben sie gewusst: „Ok, da is mehr drin“, und begannen systematisch zu erforschen, wie man das Ganze in einen Kreislauf eingliedert, mit dem man Häuser oder ein Schwimmbad beheizen kann. Noch im selben Jahr bauten sie die erste mobile Solaranlage zur Warmwasserbereitung und stellten sie auch auf Messen vor. 1977 wurde in Eggersdorf das erste solarbetriebene Schwimmbad der Steiermark fertiggestellt, gleichzeitig hat mein Vater am Grundstück meines Opas am hauseigenen mitgebaut. In der damaligen Zeit sind in der Gegend Selbstbaugruppen entstanden und in Folge ist die Oststeiermark auch heute noch eine der Regionen mit der größten Dichte an thermischer Solarnutzung Europas. Es hat aber viele Jahre gedauert, bis Solarenergie Allgemeingut geworden ist.

In den 80ern bauten sie auch Solarkollektoren bei meinem Elternhaus in Oberfeistritz ans Dach, die das Haus und seine hydraulisch verstellbaren Waschbecken mit Warmwasser versorgten. Ein Jahrzehnt später wurde ich geboren und so lang ich dort aufwuchs, dachte ich immer, es wäre das Normalste auf der Welt.

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