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US

Wer nach dem größten Verursacher von Kohlendioxid-Emissionen fragt, wird höchstwahrscheinlich zur Antwort bekommen: Die USA. Klingt angesichts des dortigen Lebensstandards und der hohen Komfortansprüche als naheliegend. Allein, es stimmt nicht mehr: Etwa um das Jahr 2005 wurde die Volksrepublik China absolut gesehen zum größten Emittenten von Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen und überholte damit die Vereinigten Staaten, ja liegt heute sogar etwa doppelt so hoch. Aber auch in der Pro-Kopf-Quote der CO2-Emissionen sind interessanterweise die USA nicht mehr an der Spitze …

… sondern im internationalen Ländervergleich gesehen erst an 12. Stelle (Österreich ist übrigens auf Platz 43 zu finden, alle Daten nach Wikipedia für 2013). Das ist allein schon erstaunlich, aber noch interessantere Fakten im Hinblick auf die USA lassen sich dem „World Energy Outlook 2017“ der internationalen Energie-Agentur entnehmen. Der Bericht befasst sich nicht nur mit dem aktuellen Stand der globalen Energie-Situation, sondern erstellt auch eine umfassende Prognose über die globale Situation für das Jahr 2040. Daraus sind folgende überraschende Fakten zu entnehmen:

1. Der Primärenergieverbrauch der USA sinkt

Würde man angesichts stetig steigenden Wohlstandes nicht für möglich halten, wird aber in allen „alten“ Industrienationen der Fall sein. Berechnet in Millionen Tonnen Öläquivalent (Mtoe) und bezogen auf das Jahr 2040 ist dies für die USA eine Menge von immerhin minus 30, für Japan übrigens minus 50 und für die strebsame EU sogar minus 200! Es muss uns aber klar sein, dass die Vorreiterrolle oder besser die „Streber-Rolle“ der EU uns und unseren Nachfahren eine Menge Geld kosten wird.

Wie weit das angesichts des Anteils der EU an den globalen Gesamt-CO2-Emissionen von weniger als 10 Prozent sinnvoll und gerechtfertigt ist scheint eine berechtigte Frage, zumal alle anderen Weltregionen satt dazulegen werden, allen voran Indien (plus 1.005), gefolgt von China (plus 790), Afrika (plus 485), dem Mittleren Osten (plus 480), Südostasien (plus 420), Zentral- und Südamerika (plus 270) und schließlich Eurasien (plus 135). Wir „opfern“ uns quasi für den Rest der Welt.

2. Die USA sind spätestens ab Mitte der 2020er-Jahre Nettoexporteur von Erdgas

Bereits jetzt exportieren die USA Erdgas, vor allem in verflüssigter Form (LNG). Ab Mitte der 20er-Jahre werden die USA mehr erzeugen, als sie selbst verbrauchen und eröffnen damit ein neues Kapitel auf dem internationalen Gasmarkt. Den Prognosen zufolge werden die Flüssiggas-Tanker zu ernsten Konkurrenten der Gas-Pipelines heranwachsen. Einer der Hauptabnehmer wird Europa werden.

Woher kommt dieses „unkonventionelle“ Erdgas? Es handelt sich um sogenanntes Schiefergas („shale gas“), das durch Fracking gewonnen wird. Gegen Fracking bestehen beträchtliche Bedenken im Hinblick auf Umweltschutz, aber in den USA ist es schlicht nicht aufzuhalten, da sich hier gewaltige Vorkommen befinden, die in der Menge nur von China, Algerien und Argentinien übertroffen werden, wobei die letzteren beiden Länder allerdings keine kommerzielle Förderung betreiben.

3. Die USA sind spätestens ab 2030 Nettoexporteur von Erdöl

Hier bahnt sich eine Revolution an, die vor etwa zehn Jahren kein Mensch für möglich gehalten hätte – die USA werden durch Fracking ein Netto-Exporteur von Erdöl! Dem Bericht der Energie-Agentur ist aber zu entnehmen, dass weiterhin eine bestimmte Menge „schweres“ Rohöl vor allem aus dem arabischen Raum importiert werden wird, da die amerikanischen Raffinerien auf diese Art Rohöl eingestellt sind und das Fracking-Rohöl wesentlich leichter ist, aber im Gesamten wird mehr Rohöl exportiert als importiert werden.

Öl wird weiterhin global wichtig sein, selbst wenn generell der Anteil von Elektro-Personenfahrzeugen dramatisch zunimmt. Denn in der Petrochemie, im Landtransportwesen mit den Diesel-Lkw, in der Schifffahrt und in der Luftfahrt ist aus heutiger Sicht Erdöl noch lange nicht ersetzbar. Wahrscheinlich weitreichend, jedenfalls aber interessant werden die wirtschaftlichen und geopolitischen Auswirkungen der neuerrungenen Energie-Autarkie auf die Politik der USA sein. In welcher Weise, wird man erst sehen.

Das sind allesamt erstaunliche Fakten, oder? Wer detaillierteres Interesse am „World Energy Outlook 2017“ hat, dem sei die Seite der IEA www.iea.org empfohlen, eine Zusammenfassung des Berichts mit vielen weiteren Informationen kann dort eingesehen oder gratis heruntergeladen werden.

Quellen:

Wikipedia „Liste der Länder nach CO2-Emission“

Internationale Energieagentur „World Energy Outlook 2017“

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